Der Startschuss bei der Tour de France ist gefallen. Doch weil bei der Fußball-WM noch lange nicht abgepfiffen ist, wollen wir mit einem Gedankenexperiment ins Rennen gehen: Wie würden sich die weltbesten Kicker wohl auf dem Rad anstellen, sagen wir, in einer Wettfahrt unter Gleichgesinnten? Nirgendwo lässt sich darauf eine bessere Antwort finden als in Barcelona, wo die Tour in diesem Jahr begonnen hat. Man muss gedanklich nur ins Jahr 1992 zurückreisen.Damals entscheidet sich das „Dream Team“ des FC Barcelona nach dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister für etwas, was dazugehört nach großen Erfolgen: eine Parade durch die Stadt. Allerdings findet diese nicht im Bus mit offenem Verdeck statt – sondern im Sattel. Von 60 Kilometern und einer halben Million Zuschauern berichtet das Radmagazin „Rouleur“. Im Finale geht es hinauf zum Kloster Montserrat. Und aus der Parade wird ein Rennen.„Ist Radsport wirklich so hart?“Das nimmt schnell einen unangenehmen Lauf für die Kicker. Jedenfalls in der Erinnerung von Melcior Mauri: „Manche Spieler waren geschockt. Sie haben gefragt: Ist Radsport wirklich so hart?“ Für den Vuelta-Sieger von 1991 sind mehr als elf Prozent Steigung über die finalen sieben Kilometer etwas, worüber er nur lachen kann. Die Fußballer ächzen und krächzen.Doch einem scheint all das nichts auszumachen: Pep Guardiola tritt so kräftig, dass er mit einem Teamkollegen als Erster oben ankommt. Zumindest in Mauris Erinnerung. Doch die kann nach so vielen Jahren trügerisch sein. Vor allem im Radsport, der seit jeher zur Heldenglorifizierung neigt. Dabei müsste ihn die Historie doch eines gelehrt haben: Dass der Erste manchmal gar nicht der verdiente Sieger ist.Gut also, dass die Kollegen von „Rouleur“ nachgeforscht haben und auf einen Artikel einer spanischen Zeitung gestoßen sind. Dort wird die Geschichte anders erzählt. Der Sieger ist derselbe, der Ablauf des Rennens nicht. Guardiola, auf dem Rasen als Stratege bekannt, soll am Berg zum Trickser geworden sein und sich an einem Motorrad festgeklammert haben. Ob er das tat, um zu gewinnen oder weil er völlig ausgelaugt fast vom Rad gekippt ist, weiß niemand mehr genau.Aber eins ist sicher: Eine Überraschung ist die Mogelei nicht. Wie wir darauf kommen? Natürlich nicht, weil seinem ehemaligen Klub Manchester City, den Guardiola prägte wie kein anderer, mehr als hundert Verstöße gegen die Finanzstatuten der Premier League vorgeworfen werden. Guardiola, das weiß jedes Kind, war schon immer ein Verfechter des Tiki-Taka. Lange Pässe sind einfach nichts für ihn.
Pep Guardiola als Radfahrer 1992: Stratege oder Trickser im Sattel?
Nach seinem größten Erfolg als Spieler erringt Pep Guardiola 1992 in Barcelona einen bemerkenswerten Sieg im Sattel. Doch ist dabei alles mit rechten Dingen zugegangen?














