„Selbstfahrende Elektroautos, wiederverwendbare Raketen, Internet für alle aus dem All, das waren die inspirierendsten unternehmerischen Projekte der Welt“, schwärmte er. Er hatte selbst einen der ersten Teslas des Landes vor dem Haus stehen.All das verschwindet in der Debatte gerade hinter der Größe der Zahl. Würde die Billion, Schein an Schein gelegt, bis zum Mond reichen (ja, mehr als 400-mal)? Welche Menschheitsprobleme ließen sich damit lösen (zehn Jahre die globale Bildungslücke schließen)?Es liegt nahe, den Rekord als Ausweis einer Vermögensungleichheit zu sehen, die außer Rand und Band ist. Aber das ist der falsche Aufreger. Gerade aus deutscher Sicht.

In Deutschland ist das Halten über Generationen hinweg zur eigentlichen Strategie der Vermögensverteidiger geworden. Musks Vermögen existiert nicht einmal auf dem Papier, es lebt im Bloomberg-Terminal. Flüchtiger geht es nicht. Alles steckt in seinen Unternehmen, und die gehen große Wetten ein. Wie volatil das ist, konnte man 2022 sehen, als er nach Forbes-Schätzungen bis zu 200 Milliarden Dollar verloren hat, weil die Tesla-Aktie in einem Jahr 65 Prozent ihres Werts einbüßte. Nicht sein einziger Guinness-Weltrekord.Deutschland: Wenig Wagnis, wenig gesellschaftliche MissionDeutschland hat das gegenteilige Problem. Hier sind die großen Vermögen über Generationen festgemauert. Oben stehen seit über hundert Jahren dieselben Namen: Schwarz, Quandt, Klatten, Würth, Albrecht. Anders als das Vermögen von Elon Musk entzieht sich hier viel der Bewertung, die Listen sind oft nur ein Raten nach Zahlen.Das Muster ist dennoch klar: Ein Team am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung hat recherchiert, dass mehr als ein Drittel der Unternehmen hinter den gut tausend größten deutschen Privatvermögen vor dem Ersten Weltkrieg gegründet wurde. Drei von vier deutschen Hochvermögenden über 40 verdanken ihren Reichtum dem Erbe, zeigt das DIW.Der Reichtum in Deutschland ist meistens versteckt, statisch und spielt auf sicher: in Immobilien, Fonds, Private Equity. Wenig Wagnis, wenig gesellschaftliche Mission. Oder anders formuliert: zu viel Reichtum, zu wenig Unternehmertum.Aber auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Vermögensrekord eher Schattenboxen ist: Sie deckt doch etwas auf. Denn es gibt einen Moment, an dem Vermögen in politische Macht umschlägt. Elon Musk kontrolliert Meinungen sehr sichtbar über X, kaum jemand hat je so öffentlich in der Politik gewirkt wie er. Und jeder kann dazu diskutieren.Der Einfluss der deutschen Vermögenselite ist eher unsichtbar und entzieht sich damit der Debatte. Für die Soziologin Isabell Stamm ist Reichtum weniger ein Kontostand als ein System aus Gesellschaften, Stiftungen und Beteiligungen. In Deutschland ist das Halten über Generationen hinweg zur eigentlichen Strategie der Vermögensverteidiger geworden.Es gäbe viele Gründe, sich darüber aufzuregen, dass ausgerechnet Elon Musk der reichste Mensch der Welt werden konnte: Immer weniger seiner Versprechen gehen in Erfüllung, er hat seltsame Vorstellungen von Fortpflanzung und Vaterschaft und sorgt sich mehr um die Menschheit auf dem Mars als um die auf der Erde. Von seiner Politik gar nicht zu reden.Es gibt also viele Gründe, Musk zu kritisieren. Die Höhe seines Vermögens gibt eher Anlass zum Nachdenken über die Schwächen unserer eigenen Vermögenskultur. Seinen Tesla hat mein Freund vor zwei Jahren zurückgegeben. Verwandte Themen DeutschlandElon MuskTeslaSpaceXWürthFelix Oldenburg ist Autor („Der gefesselte Wohlstand“, 2025) und CEO des Stiftungs-Start-ups Bcause. Zuvor leitete er den Bundesverband Deutscher Stiftungen und das Sozialunternehmer-Netzwerk Ashoka. Mit Unternehmen, Podcast und Newsletter ermutigt er alle, die mehr beitragen können, zu einem neuen Geben.Erstpublikation: 03.07.2026, 04:00 Uhr.