Die meisten Verteilungsdebatten beginnen derzeit mit Elon Musk. Die Welt hat ihren ersten Dollarbillionär bekommen, das muss doch etwas bedeuten. Mit seinem Vermögen könnte der SpaceX-Gründer allein das riesige deutsche Infrastruktur- und Aufrüstungsprogramm bezahlen. Vergleiche wie dieser befeuern den Streit über Gerechtigkeit im Kapitalismus, zumal in einem Land wie der Bundesrepublik, das vor Reformen steht, die vielen erst einmal Opfer abverlangen werden.

In den Vereinigten Staaten hat Musks Billion auch eine Gerechtigkeitsdebatte ausgelöst. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren rechnet empört vor, dass ein normaler US-Haushalt gut elf Millionen Jahre arbeiten müsste, um Musks Vermögen anzusammeln, und fordert eine neue Steuer für Superreiche. Die New York Times bemüht sogar Plato, der im antiken Athen für eine Reichtumsgrenze plädierte: In der idealen Gesellschaft sollte demnach niemand mehr haben als viermal so viel wie die Ärmsten.

Auch wenn man Platos Idealvorstellung nicht teilt, kann man die heutigen Verhältnisse für unfair halten. In Deutschland verfügen zum Beispiel die oberen zehn Prozent laut Bundesbank über 67 Prozent aller privaten Vermögen, in den USA sind es dem Finanzkonzern Visa zufolge gar 71 Prozent. Was noch gravierender ist: In beiden Ländern besitzt die untere Hälfte weniger als zwei Prozent vom Ganzen, also praktisch nichts. Weil sich Wohlstand in Lebenschancen übersetzt, ist das ein Armutszeugnis für unser Wirtschaftssystem.