Die Zukunftstechnologie der Kernfusion lockt die Investoren an. Wie das Münchner Fusions-Start-up Proxima Fusion am Dienstag mitteilte, hat es eine Rekordfinanzierungsrunde über 411 Millionen Euro abgeschlossen. Die Bewertung erreichte 2,4 Milliarden Euro, womit Proxima Fusion nach eigenen Angaben das am höchsten bewertete Fusionsunternehmen in Europa ist. Ende Mai hatte das südhessische Fusions-Start-up Focused Energy 240 Millionen Dollar an neuem Kapital erhalten.Für Proxima-Gründer und -Chef Francesco Sciortino zeigt die nun abgeschlossene Finanzierung, dass Deutschland und Europa in der Lage seien, internationales Kapital für strategische Zukunftstechnologien zu mobilisieren. Die internationale Investorengemeinschaft hat seiner Ansicht nach ein starkes Signal gesendet: „Sie vertraut nicht nur auf die wissenschaftliche Exzellenz Europas, sondern auch auf unsere Fähigkeit, daraus weltweit wettbewerbsfähige Industrieunternehmen aufzubauen.“Sehr günstig und wenig radioaktiver MüllAuf der Kernfusion ruhen große Hoffnungen, um in der Zukunft eine günstige, fast nie versiegende Energiequelle zu erhalten. Sie gilt auch als sauber, weil sie deutlich weniger radioaktiven Müll verursacht als die auf Spaltung beruhende Kernenergie. Es gibt ein internationales Wettrennen, wo das erste kommerzielle Fusionskraftwerk entstehen soll. Amerikaner und Chinesen investieren Milliardenbeträge in die Technologie. Es gibt aber auch Zweifel, weil die Technologie als sehr anspruchsvoll gilt und es deshalb noch einige Jahrzehnte dauern könnte, bis sie kommerziell eingesetzt werden kann.Für Proxima-Chef Sciortino geht es in der Fusionstechnologie um Geschwindigkeit und Skalierung. Sein Unternehmen sieht er hier weit vorne, weil es gezeigt habe, dass es schneller vorankommen könne, als viele für möglich gehalten hätten. Nun kann er sich in der weiteren Entwicklung auf prominente Investoren stützen. Die jüngste Finanzierungsrunde wurde von XTX Ventures und East X Ventures angeführt. RWE und Google beteiligten sich als strategische Investoren. Dabei waren auch KfW Capital, die Bundesagentur für Sprunginnovationen Sprind und Burda Principal Investments.Der Energieversorger RWE hatte sich schon in der Finanzierungsrunde von Focused Energy engagiert. Das jüngste Investment begründet Proxima mit der wechselseitigen Absicht, das weltweit erste kommerziell nutzbare Stellarator-Fusionskraftwerk auf dem RWE-Kraftwerksgelände in Gundremmingen zu bauen. Das strategische Investment von Google spiegelt nach Angaben von Proxima das Interesse führender Technologieunternehmen an Fusionsenergie als langfristige Quelle sauberer, verlässlicher und grundlastfähiger Energie wider.650 Millionen Euro an FinanzierungDas 2023 gegründete und inzwischen 200 Mitarbeitende zählende Start-up Proxima hat in weniger als drei Jahren mehr als 650 Millionen Euro an Finanzierung gesichert. Davon stammen 95 Millionen Euro aus öffentlichen Fördermitteln. Mit Unterstützung des Freistaats Bayern soll in Garching der Demonstrationsreaktor Alpha entstehen. Er soll zwei Milliarden Euro kosten und Anfang der 2030er Jahre fertig sein. Proxima und der Freistaat Bayern wollen jeweils 400 Millionen Euro dafür übernehmen. Die restlichen 1,2 Milliarden Euro sollen vom Bund kommen.Mit der jüngsten Finanzierungsrunde hat Proxima die vom Freistaat als Selbstbeteiligung geforderte Summe von 400 Millionen Euro übertroffen. Der Demonstrationsreaktor soll die Brücke zwischen jahrzehntelanger Fusionsforschung und ihrer industriellen Anwendung schaffen und den Weg zum ersten wirtschaftlich nutzbaren Fusionskraftwerk erheblich beschleunigen. Derzeit errichtet Proxima Fusion am Standort Gundremmingen eine Fabrik zur Herstellung großer Magneten mit einem Durchmesser von fünf Metern.In Grundremmingen soll dann Mitte der 2030er Jahre das erste kommerziell nutzbare Fusionskraftwerk entstehen. Fachleute rechnen damit, dass frühestens ab dem Jahr 2040 die Kernfusion als Energie genutzt werden kann. In der Kernfusion gibt es derzeit zwei Forschungsansätze: Proxima setzt auf die Magnettechnologie, während Focused Energy und das ebenfalls in München ansässige Start-up Marvel Fusion mit der Lasertechnologie arbeiten. Noch ist offen, welcher Ansatz Erfolg haben wird.