PfadnavigationHomePolitikDeutschlandWas denken Sie?„Über sterbende Innenstädte nicht beschweren“ – Breite Debatte um Ladenöffnung an SonntagenStand: 08:05 UhrLesedauer: 3 MinutenQuelle: Martin Schutt/dpaFDP-Chef Wolfgang Kubicki und Wirtschaftsausschuss werben für liberalere Ladenöffnungszeiten. Kirche und Gewerkschaften lehnen eine Aufweichung des Sonntagsschutzes ab. Ihre Meinung ist gefragt.Nach der Ankündigung der Regierung, die Öffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen zu verlängern, nimmt nun auch die Diskussion um die allgemeinen Ladenöffnungszeiten an Wochenenden an Fahrt auf: FDP-Chef Wolfgang Kubicki sagte der „Bild“: „Eine echte Flexibilisierung wäre dringend notwendig. Wer Läden zwangsweise geschlossen halten will, darf sich nicht über sterbende Innenstädte beschweren.“ Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag will keine generelle Abschaffung des Verkaufsverbots an Sonntagen, setzt aber auf moderne Arbeitszeitregeln. Der CDU-Politiker Christian von Stetten, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, sprach sich ebenso dafür aus wie Vize-Fraktionschef Sepp Müller (CDU). „Der Sonntag bleibt für uns ein Tag für Familie, Erholung und Gemeinschaft“, sagte Müller (CDU).Was denken Sie: Sollten alle Geschäfte an Sonntagen öffnen dürfen? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare?Lesen Sie auchDer Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), führte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe an: „Ob Urlauber sich für Deutschland entscheiden, hängt auch von attraktiven Geschäften und Verkaufsangeboten ab.“ Er könne die Argumente des Handels „auch aus tourismuspolitischer Sicht sehr gut nachvollziehen“.Die derzeitigen Regelungen stammten noch aus einer Zeit, „in der es keinen Online-Handel gab“, sagte Ploß weiter. „Flexiblere Öffnungszeiten würden es den deutschen Einzelhändlern ermöglichen, im Wettbewerb mit den immer verfügbaren Online-Händlern mitzuhalten.“ Zudem würden liberalere Regeln „den deutschen Innenstädten einen Schub verleihen“. Lesen Sie auchGewerkschaften warnen vor FolgenDagegen erklärte Silke Zimmer von Verdi: „Auf den Vorschlag des Handelsverbandes, die Sonntagspause im Handel komplett zu streichen, brauchte man nur zu warten – nachdem die Bundesregierung bereits weitere Sonntagsarbeit für Bäckereien und Konditoreien angekündigt hat.“ Dies sei aber „der falsche, arbeitsnehmerfeindliche Ansatz“. Der Sonntag sei „für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag, an dem Zeit für körperliche und mentale Entlastung in diesem anstrengenden Job bleibt“.Längere Ladenöffnungszeiten brächten nicht automatisch mehr Umsatz und auch keine lebendigen Innenstädte, sagte Zimmer. „Im Gegenteil: Sie sind ein starkes Instrument im Verdrängungswettbewerb der großen Handelskonzerne. Sie führen zur Verlagerung von Umsätzen vom Land hin zu den Städten und von kleinen mittelständischen Betrieben hin zu den Handelsriesen, die Sonntagsarbeit viel leichter organisieren können.“ Die Folge seien „immer trostlosere Innenstädte mit den immer gleichen Ketten“.Lesen Sie auchAuch der Sozialverband Deutschland (SoVD) wehrt sich gegen eine Aufweichung des Sonntagsschutzes. „Der Sonntag ist verfassungsrechtlich geschützt und weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor – er ist ein unverzichtbarer Tag für Erholung, Familie und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Funke-Zeitungen. Sonntagsarbeit sei dort notwendig, „wo sie der Daseinsvorsorge dient“, also etwa im Gesundheitswesen oder bei Polizei und Verkehr. „In anderen Bereichen muss sie aber die Ausnahme bleiben“, betonte Engelmeier.Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist ebenfalls dagegen. Der freie Sonntag sei für die Gesellschaft als Ganzes wertvoll, unabhängig davon, ob ein Mensch an Gott glaubt oder nicht, sagte ein EKD-Sprecher der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Es braucht einen Tag in der Woche, an dem möglichst viele Menschen gleichzeitig frei haben“, ergänzte er.Ausgelöst wurde die neue Diskussion von der Ankündigung der Bundesregierung, die Öffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien an Sonntagen zu verlängern. Zuvor hatten sich mehrere Vertreter des Einzelhandels dafür ausgesprochen, mehr Ladenöffnungen an Sonntagen zu erlauben. Laut einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Beschlusspapier der Koalition sollen zum 1. Januar 2027 längere Sonntagsöffnungszeiten „für Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken“ in Kraft treten. Im Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium hieß es dazu, Bäckereien sollen sonntags bis zu acht Stunden öffnen dürfen, öffentliche Bibliotheken bis zu sechs Stunden. Pläne für andere Branchen gibt es derzeit aber nicht.afp/epd/ceb
Sonntagsöffnung: „Über sterbende Innenstädte nicht beschweren“ – Riesige Debatte um Ladenschlussgesetz - WELT
FDP-Chef Wolfgang Kubicki und Wirtschaftsausschuss werben für liberalere Ladenöffnungszeiten. Kirche und Gewerkschaften lehnen eine Aufweichung des Sonntagsschutzes ab. Ihre Meinung ist gefragt.












