Türkischer Antisemitismus: Erdogans Aussenminister bezeichnet Israel als «Problem der Menschheit»Kurz vor dem Nato-Gipfel in der Türkei macht das Gastgeberland mit einer Äusserung von sich reden, die Israel das Existenzrecht abspricht – und den Juden die Zugehörigkeit zum Menschsein.07.07.2026, 07.46 Uhr3 LeseminutenVereint im Kampf gegen Israel: der türkische Aussenminister Hakan Fidan und der palästinensische Vizepräsident Hussein al-Sheikh (links) bei einem Treffen in Ankara im Mai 2026.Murat Gok / ImagoKurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara verbreitet sich der türkische Aussenminister dahingehend, dass der Staat Israel «ein gemeinsames Problem der Menschheit» sei. Dieser Ausfall in den übelsten Antisemitismus folgt einer überaus beharrlichen Regie.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Denn die Anrufung der Menschheit war und bleibt ein Politikum erster Güte. Wer den Begriff benutzt, fühlt sich seiner Sache sicher. So ist der Dienst an der Menschheit – gehe es um das Klima, um den Frieden in der Welt oder bloss um eine artgerechte Ernährung – immer auch und oftmals mit gesteigerter Rhetorik ein moralischer Appell. Niemand will sich solchem Appell verschliessen. Wo kämen wir hin, wenn wir die Menschheit, also auch uns selbst, nicht fortdauernd ernst und ernster nähmen?Alles oder nichtsZur Hypermoral letztmöglicher Anrufungen gehört freilich auch, dass man diejenigen zu benennen pflegt, die dem Ethos und den Zielen der Menschheit in toto entgegenstehen. Verweist man auf die Bösewichte, die das Menschsein hintertreiben und sogar auszulöschen versuchen, so erhält die Rettung der Menschheit ein zusätzliches Pathos. Es geht dann bekanntlich um alles oder nichts: um den Sieg des Guten oder den Sturz in den Abgrund. Den religiösen und pseudoreligiösen Agenten der Apokalypse ist diese Strategie seit Jahrtausenden vertraut. Wer vom Ende her argumentiert, hält scheinbar alle Trümpfe in der Hand. Früher nannte man das Inquisition, heute wird aus dem Koran zitiert.Wenn nun der Aussenminister der Türkei verlauten lässt, der Staat Israel sei nichts anderes als ein Schaden für die gesamte Menschheit, bedient er just diesen Mechanismus. Er verweigert dem Judenstaat den Status der Zugehörigkeit zum Menschsein und stellt ihn damit auf die Stufe eines ebenso bösartigen wie unwürdigen Geschwürs, das damit ohne grosse Bedenken auch gleich noch ausgerottet werden könnte.Die Nazis waren, wie man da und dort allmählich zu vergessen beliebt, Weltmeister in Perversionen solchen Zuschnitts. Doch die Geschichte kehrt immer einmal wieder, und nicht nur Erdogans Satrapen, sondern auch jede Menge arabischer und iranischer Kämpfer im Dienste ihres Gottes verfolgen dieselbe Strategie.Daseinsrecht verwirktDass sich die deutsche Aussenpolitik unter einem Chef, dessen überragende Intelligenz nicht von jedermann geteilt, geschweige denn anerkannt wird, erst jetzt zu diesem Irrsinn äussert, weil ja vorher niemand den Nato-Gipfel von Ankara beschädigen wollte, schafft einen zusätzlichen Fundus, auf dem solche Sätze ihre weiteren Blüten spriessen lassen.In seiner Schrift «Der Begriff des Politischen» von 1927 erkannte Carl Schmitt mit wünschenswerter Deutlichkeit, was es heisst, wenn der Feind nicht mehr nur in relationaler Perspektive benannt wird, sondern als Feind der Menschheit tout court in Erscheinung tritt. Er hat dann nämlich in den Augen seiner Platzanweiser jegliches Daseinsrecht verwirkt. Schlimmeres als einen Feind der Menschheit kann es schlicht nicht geben.Wozu dies führte und weiterhin führen könnte, braucht nicht mehr arg viel Vorstellungskraft. Der türkische Menschenfreund macht es vor, und kaum jemand zeigt ihm die rote Karte. Auch das bestimmt mittlerweile das Spielfeld des Westens.Passend zum Artikel
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Kurz vor dem Nato-Gipfel in der Türkei macht das Gastgeberland mit einer Äusserung von sich reden, die Israel das Existenzrecht abspricht – und den Juden die Zugehörigkeit zum Menschsein.











