KommentarDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel kürzlich als «Gefahr für die Menschheit». Ganz neu sind diese verbalen Attacken nicht. Aber der Gaza-Krieg und der Sturz des Asad-Regimes haben den islamischen Populisten weiter radikalisiert.02.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gibt sich zunehmend als Schutzpatron der Palästinenser.Chris McGrath / GettyDie Türkei war das erste mehrheitlich muslimische Land, das Israel kurz nach dem Unabhängigkeitskrieg anerkannte. Im Jahr 1996 unterzeichneten die beiden Länder ein Freihandelsabkommen. Doch mit dem Aufstieg von Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner islamisch-konservativen AKP verschlechterten sich die Beziehungen zunehmend. Kürzlich bezeichnete er Israel als «eine Gefahr für die Menschheit».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Zionismus sei eine «genozidale und expansionistische Ideologie», erklärte Erdogan am Samstag auf einer Konferenz seiner Partei. «Wenn wir den Zionismus bekämpfen, tun wir dies nicht nur für uns persönlich. Wir führen einen Kampf für unser eigenes Überleben und das kollektive Überleben unserer Nation.» Zu Beginn dieses Monats prophezeite der türkische Innenminister Mustafa Ciftci: «Genau wie wir die Befreiung von Damaskus, Aleppo und Karabach erlebten, werden wir – so Gott will – auch die Befreiung von Jerusalem erleben.»Gaza und Syrien begünstigen RadikalisierungRhetorische Breitseiten aus Ankara sind für Israel zwar nichts Neues. Bereits während des Gaza-Kriegs 2008 bezeichnete Erdogan das israelische Vorgehen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nachdem israelische Soldaten 2010 neun türkische Aktivisten getötet hatten, die Hilfsgüter per Schiff in den Gazastreifen bringen wollten, lagen die diplomatischen Beziehungen für viele Jahre auf Eis. Der Zwischenfall habe dazu beigetragen, dass sich die Türkei und vor allem Erdogan verstärkt als Stimme der Palästinenser sähen, schrieb die israelische Denkfabrik INSS vor sechs Jahren in einer Analyse. Ankara zögere seither auch nicht, mit extremistischen Kräften unter den Palästinensern zu kooperieren.In den vergangenen zwei Jahren habe sich die türkische Position aber nochmals «radikalisiert», konstatierte die «Jerusalem Post» im Dezember. Verantwortlich dafür seien drei Gründe: Erstens, Israels internationale Isolation im Zuge des jüngsten Gaza-Kriegs nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober. Zweitens, der Sturz des Asad-Regimes in Syrien durch von der Türkei unterstützte Islamisten. Und drittens, die guten Beziehungen Erdogans zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der ein Faible für Autokraten hat.Nach dem Angriff der Hamas bezeichnete Erdogan Israel als «Terrorstaat» und verglich den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu mit Hitler und Stalin. Im Gegensatz zur früheren Rhetorik scheint der türkische Präsident auch eine zunehmende Bereitschaft zum Handeln zu zeigen. Liefen die Handelsströme zwischen den beiden Ländern bisher trotz den politischen Spannungen und einem 2024 von Ankara verhängten Wirtschaftsembargo weiter, verschärfte die Türkei im Februar die Handelsbeschränkungen. Während die Importe aus der Türkei in Israel bereits 2025 um die Hälfte einbrachen, exportierte Israel im vergangenen Jahr kaum noch Güter in die Türkei.Die USA sind gefordertHinter Erdogans scharfer Rhetorik dürfte auch viel innenpolitisches Kalkül stecken. Die grosse Mehrheit der türkischen Bevölkerung sympathisiert mit den Palästinensern und nicht mit Israel. Gleichzeitig nutzt Erdogan die Rolle als Beschützer der Palästinenser aber auch, um eine sunnitisch-islamische Achse im Nahen Osten aufzubauen, die über Saudiarabien bis nach Pakistan reicht. Mit ihrer militärischen Präsenz in Syrien kontrolliert die Türkei zudem ein wichtiges geostrategisches Puzzleteil im Nahen Osten. Ankara könnte dort theoretisch mit einer Verstärkung seiner Truppen und einer Aufrüstung der syrischen Armee auch Israel militärisch herausfordern.Noch scheint ein solches Szenario aber in weiterer Ferne zu liegen. Ob es tatsächlich zu einer militärischen Konfrontation zwischen Israel und der Türkei kommen könnte, dürfte vor allem von den USA abhängen. Solange Amerika eine starke Präsenz im Nahen Osten beibehält, wird es einen Krieg zwischen seinen beiden Verbündeten vermutlich zu verhindern wissen. Diese Aufgabe wird künftig aber bestimmt nicht leichter werden. Auch Erdogan ist wohl nicht entgangen, dass die Unterstützung für Israel in der amerikanischen Bevölkerung markant gesunken ist. Das dürfte ihn weiter in seinen Überzeugungen bestärken.Passend zum Artikel
Vom Partner zum Feind: Die Türkei wird immer mehr zur latenten Gefahr für Israel
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel kürzlich als «Gefahr für die Menschheit». Ganz neu sind diese verbalen Attacken nicht. Aber der Gaza-Krieg und der Sturz des Asad-Regimes haben den islamischen Populisten weiter radikalisiert.







