Wird Elon Musk bald SpaceX und Tesla fusionieren? Die Aktionäre werden sich ihm kaum in den Weg stellenDie Spekulationen, dass der Raketenbauer SpaceX den Elektroauto-Pionier Tesla übernehmen wird, reissen einen Monat nach dem Börsengang von SpaceX nicht ab.07.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenWürden Tesla und SpaceX fusionieren, könnte Elon Musk die Eckwerte eines Zusammenschlusses gewissermassen mit sich selbst aushandeln.Pool/ReutersFolgt schon bald der nächste Streich von Elon Musk? Erst vor Monatsfrist hat der Unternehmer erfolgreich seine Raumfahrtfirma SpaceX an die Börse gebracht. Nun werden auf Aktionärsplattformen und in Finanzmedien wie «Bloomberg» die Gerüchte immer reger diskutiert, dass Musk SpaceX bald mit seinem anderen grossen Unternehmen, Tesla, zusammenschliessen könnte. Auf dem Prognosemarkt von Kalshi wettet die Hälfte des Marktes darauf, dass die beiden Firmen noch vor dem 1. Mai 2027 vereint werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wenig GreifbaresEin unmittelbarer Grund für die Spekulationen ist nicht ersichtlich: Die Firmen selbst haben keine Neuigkeiten publiziert. Entsprechende Ideen hat Musk schon länger gewälzt und öffentlich diskutiert. Unmittelbar vor dem Börsengang sagte auch die SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell, dass es bedeutende Synergien zwischen den Unternehmen gebe und deren Ziele konvergierten. Sie wandte aber auch ein, dass ihr Fokus derzeit auf operationellen Themen bei SpaceX liege.Im Anfang Juni aktualisierten Börsenprospekt von SpaceX wird Tesla ganze 88 Mal erwähnt. Auf Seite 51 steht da zudem, dass das Unternehmen neue Aktien in bedeutendem Mass ausgeben könne, um zukünftige Transaktionen zu finanzieren. Dieser eine Satz hat die Gerüchteküche erst richtig in Gang gebracht; der bekannte Tech-Analyst Dan Ives konkretisierte seine Prognose, dass die Chance für eine Fusion bis 2027 bei 80 Prozent liege.Ein Zusammenschluss würde, geht man von den jetzigen Marktbewertungen aus, das viertgrösste Unternehmen der Welt mit einer Bewertung von rund 3,6 Billionen Dollar schaffen. Zudem entstünde eine Art «Elon AG», in der alle wichtigsten Projekte des Unternehmers gebündelt sind.Tesla und SpaceX arbeiten heute schon sehr eng zusammen, etwa beim Bau der Terafab, einer riesigen Chipfabrik, mittels der Musk weitere Glieder der Wertschöpfungskette für KI-Dienstleistungen sichern will.Traditionell gab es wenig Überschneidung zwischen den Geschäftsmodellen der beiden Unternehmen: Tesla baute Elektroautos und Batterien, SpaceX beförderte Raketen und Satelliten ins All. Auf Betreiben von Musk setzen beide Firmen ihre Zukunft aber auf KI: Tesla will sein Geld künftig mit autonomen Fahrzeugflotten («Robotaxis») und mit humanoiden Robotern («Optimus») verdienen. Die intensive Nutzung von KI soll beide Geschäftsbereiche überhaupt erst ermöglichen.SpaceX wiederum hat Anfang Jahr Musks KI-Startup xAI übernommen und hat sehr ambitionierte Pläne, solarbetriebene KI-Rechenzentren im Erdorbit aufzubauen.Einer befiehltBei SpaceX kann Elon Musk allein über eine Übernahme entscheiden, weil er dank einer dualen Aktionärsstruktur die klare Mehrheit aller Stimmrechte besitzt. Beim Elektroautobauer ist es ein bisschen komplizierter. Musk hält nur rund 20 Prozent aller Tesla-Aktien. Meist sorgen verbündete Grossinvestoren sowie unzählige Kleinanleger, die Musk blind vertrauen, aber dafür, dass er bei Abstimmungen seinen Willen durchsetzen kann. Zuletzt war das mehrfach bei umstrittenen Voten über Musks enorme Vergütung oder bei der Verlagerung des Hauptsitzes nach Texas der Fall.Eine wichtige Frage wäre, wie der erste Dollar-Billionär der Welt mit dem grossen Interessenkonflikt umgeht, den seine dominante Rolle bei den beiden beteiligten Firmen schafft. Musk würde die Eckwerte eines Zusammenschlusses gewissermassen mit sich selbst aushandeln, insbesondere, wie hoch die relative Bewertung von SpaceX und Tesla sein soll.Aufgrund der gegenwärtigen Marktkapitalisierung wäre SpaceX das grössere Unternehmen und würde wohl Tesla ein Übernahmeangebot unterbreiten – und allenfalls einen Aufpreis auf dessen derzeitigen Aktienpreis anbieten.SpaceX schreibt derzeit hohe Verluste, vor allem wegen des starken Ausbaus der eigenen KI-Sparte. Tesla weist dagegen schwarze Zahlen auf, wird für den Umbau zu einem Anbieter von autonomen Fahrzeugen und Robotern aber selbst noch viele Investitionen tätigen müssen.Dass Tesla dem Raketenbauer darüber hinaus das Kapital für die grosse KI-Offensive bereitstellen kann, scheint wenig realistisch. Der Autobauer hat selbst ein schwieriges Jahr hinter sich; in China und Europa steht er zusehends unter Druck von chinesischen Konkurrenten, in den USA macht die Elektromobilität nicht so rasche Fortschritte, wie man dachte. 2026 entwickelt sich indes wieder besser; in Europa verkauft Tesla etwa wieder mehr Fahrzeuge.Es ist anzunehmen, dass Aktionärsgruppen von einer der beiden Firmen gegen das festgelegte Austauschverhältnis klagen würden. Weil Tesla und SpaceX ihren rechtlichen Hauptsitz nach Texas verlegt haben, können unzufriedene Anleger aber vermutlich nur wenig ausrichten. Das texanische Recht räumt Minderheitsaktionären sehr wenige Rechte ein.Passend zum Artikel