PfadnavigationHomeSportFußballWMSperre aufgehobenBelgien kämpft gegen Fifa-Entscheidung und will Spielerlaubnis für Balogun anfechtenStand: 17:43 UhrLesedauer: 3 MinutenBei „Welt am Ball“ geht es heute um den Kraftakt der Engländer gegen Mexiko und die starke Leistung von Haaland gegen Brasilien. Nach einer Trump-Intervention bei der Fifa darf Balogun jetzt doch gegen Belgien auflaufen. „Wir machen den Fußball so kaputt“, sagt Thomas Helmer.Die aufgehobene Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun zieht weitere Kreise. Achtelfinalgegner Belgien will die Spielerlaubnis anfechten – und allein die Bitte um Aufklärung zeigt das moralisch fragwürdige System der Fifa.Im Streit um die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Nationalstürmers Folarin Balogun hat der belgische Fußballverband der Fifa schwere Vorwürfe zu einem Berufungsverfahren gemacht und weitere Schritte angekündigt. Der Verband sehe „keine andere Möglichkeit, als die Spielberechtigung Baloguns für das bevorstehende Spiel anzufechten“, hieß es in einer Stellungnahme des Königlichen Belgischen Fußballverbands (RBFA) kurz vor dem Achtelfinale der Belgier gegen die USA am Dienstag (2.00 Uhr, ARD/MagentaTV und im WELT-Liveticker).Was war passiert? Die Belgier teilten mit, ein Schreiben an die Fifa gerichtet zu haben mit der Bitte, eine Kopie der Entscheidung im Fall Balogun und eine Erläuterung des angewandten Verfahrens zu bekommen. Als einzige Reaktion habe der RBFA ein Schreiben der Fifa erhalten, in dem sie erklärte, die Korrespondenz als Berufung zu werten. Zudem teilte der Weltverband den Angaben nach mit, dass bereits ein Richter bestellt worden sei und dem RBFA nur wenige Stunden blieben, um diese Berufung zu vervollständigen.Lesen Sie auchDas Problem: Nach den eigenen Regularien der Fifa sei eine Berufung nur zulässig, wenn dem Berufungsführer zuvor die begründete Entscheidung zugestellt wurde, so der RBFA. „Obwohl der RBFA lediglich berechtigte Erklärungen verlangte, konstruierte die Fifa selbst ein Berufungsverfahren und sorgte zugleich dafür, dass dieses als unzulässig eingestuft werden würde“, hieß es im Statement der Belgier.Verband über Ereignisse „zutiefst besorgt“„Unabhängig vom sportlichen Ausgang dieser Partie ist der RBFA über den Verlauf der Ereignisse zutiefst besorgt“, schrieb der Verband weiter. Der RBFA werde sich „auch in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten weiterhin für die grundlegenden Prinzipien von Ethik, fairem Wettbewerb und die Interessen des Fußballs insgesamt einsetzen“.Zuvor hatte „The Athletic“ berichtet, die Fifa habe Belgien das Recht eingeräumt, gegen die Entscheidung vorzugehen. Ein Mitglied des Fifa-Berufungsausschusses, das keinem Uefa- oder Concacaf-Verband angehört, sollte demnach über den Fall entscheiden.Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war, und war zunächst für ein Spiel gesperrt worden. Die Fifa setzte die Sperre später unter Berufung auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, der die Aussetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ermöglicht, für ein Jahr zur Bewährung aus. Damit ist der US-Stürmer nach derzeitigem Stand für das Achtelfinale gegen Belgien spielberechtigt.„Ein Skandal“, sagt der deutsche ExperteNach Berichten über eine mögliche Einmischung des US-Präsidenten in die Causa, bestätigte Donald Trump, dass er sich in der Sache an die Fifa gewendet hatte. „Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war“, sagte Trump auf einer Pressekonferenz im Oval Office. „Ich habe lediglich eine Überprüfung gefordert, weil ich es nicht für ein Foul hielt, und ich kenne mich mit solchen Dingen aus.“Lesen Sie auchAuch in Deutschland ist das Entsetzen über die aufgehobene Sperre groß: Hans E. Lorenz, langjähriger DFB-Sportgerichtschef, hat den Weltverband vor weitreichenden Folgen gewarnt. „Das ist ein fatales Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt. Jeder gesperrte Spieler und sein Verein werden sich in Zukunft auf diese Entscheidung berufen“, sagte Lorenz dem „Kicker“. Es werde größter Anstrengungen bedürfen, um diese Entwicklung einzufangen, meinte Lorenz zum Urteil der Fifa, für die er bis vor vier Wochen noch als Mediator tätig gewesen war. „Bei diesem Foul – auch wenn sicher keine Verletzungsabsicht dabei war – nur ein Spiel Sperre zu geben, ist ein Geschenk. Dies nun auszusetzen, ist ein Skandal“, sagte Lorenz.Zudem kritisierte er, dass die Fifa allen Verbänden seit Jahrzehnten mit Sanktionen drohe, sollten sie das Prinzip der Mindestsperre von einem Spiel missachten. „In der Bundesliga hätte Balogun wohl drei Spiele bekommen wegen rohen Spiels, dann hätte man über eine Reduzierung auf zwei diskutieren können. Aber so ist das nun wirklich skandalös“, erklärte Lorenz weiter.jb mit dpa