Wie war wohl Karl Lagerfeld als Chef und Kollege in seinem ersten Jahr bei Chanel? Getty Images Ein Kollege korrigiert bei Meetings regelmässig die Aussprache von Fremdwörtern oder französischen Begriffen anderer Teammitglieder (z. B. bei «Café au lait»). Er meint, er helfe damit nur. Ist dieses Bildungsmonitoring stilvoll? – Tino F., ZürichLieber Tino, ich kann es nicht oft genug sagen: nein. Nein, nein, nein. Wer der Meinung ist, er möchte seine Perlen der Weltläufigkeit gerne an die ungewaschene Masse weiterreichen, kann das unter vier Augen tun und hoffen, dass er einen Beitrag zur Kultivierung der Mitwelt geleistet hat.Nichts aber ist kleingeistiger als verbal an Menschen herumzuzupfen, die gerade einen zusammenhängenden Gedanken formulieren. Zumal diese «Hilfe» auch schwer von Klassismus zu trennen ist: Schaut, was für eine gute Kinderstube ich hatte. Ohnehin bin ich mittlerweile ein Fan moderierter Meetings geworden, in denen die Sprechreihenfolge eingehalten werden muss und Ins-Wort-Faller und Zeitklauer eingegrenzt werden.Es ist auch die Aufgabe der Führungskraft, Meetings nicht durch unangenehme Wortbeiträge zu entwerten. Und der Satz «Ich wollte doch nur helfen» gehört in die gleiche Kategorie wie «War doch nur ein Witz». Er ist ein Zeichen dafür, dass der Sprecher gerade anderen eklatant auf den Nerven herumgetrampelt ist.Welches stilistische oder zwischenmenschliche Dilemma beschäftigt Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift: [email protected] Namen können geändert oder anonymisiert werden. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Darf man an Sitzungen Kollegen belehren?
Ein Kollege korrigiert bei Meetings regelmässig die Aussprache von Fremdwörtern anderer Teammitglieder. Er meint, er helfe damit nur. Ist das stilvoll?










