PfadnavigationHomeWissenschaftFund vor JapanDas Rätsel um die Krabbe in der PlastikflascheStand: 11:57 UhrLesedauer: 3 MinutenGefängnis aus Plastik: Krabbe in FlascheQuelle: Hajime Sato/Hiroshima UniversityVor einer japanischen Insel fischen Forscher eine Plastikflasche aus dem Meer. In ihrem Inneren lebt eine Rotflecken-Schwimmkrabbe, die deutlich größer ist als die Flaschenöffnung. Der Fund wirft Fragen auf.Wie gelangt eine Krabbe in eine Plastikflasche, deren Öffnung deutlich kleiner ist als das Scherentier selbst? Und wie lange kann sie in dem Gefäß überleben?Vor diesem Rätsel standen kürzlich Wissenschaftler der Hiroshima-Universität in Japan. Sie waren unterwegs auf einer Routineuntersuchung der Jungfischpopulation jenseits der Küstengewässer, als eine muschelbesetzte Weinflasche aus Plastik an ihnen vorbeischwamm.„Die Flasche trieb ungefähr 500 Meter vor der Insel Sesoko bei Okinawa an uns vorbei, mit vielen Jungfischen dazu“, sagten Studienautor Hajime Sato und Yoichi Sakai. „Zu unserer Überraschung war in der Flasche eine große lebende Rotflecken-Schwimmkrabbe gefangen. Die Krabbe war eindeutig größer als die Öffnung der Flasche.“Lesen Sie auchAnhand von Markierungen konnten die Forscher das Alter der Flasche ablesen. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits mehr als ein halbes Jahr alt. Sie hatte keinen Deckel, sodass Meereswasser frei ein- und ausströmen konnte. Der Durchmesser des Flaschenhalses betrug 2,4 Zentimeter. Dagegen war die Krabbe der Art Portunus sanguinolentus bereits mehr als vier Zentimeter lang und fast neun Zentimeter breit – es war unmöglich, dass sie im ausgewachsenen Stadium dort hineingelangt war.Lesen Sie auchAls sie gefunden wurde, war die weibliche Krabbe am Leben. Dennoch endete die Begegnung mit Homo sapiens für das Schalentier tragisch. Um zu verstehen, was vorgefallen war, sezierten die Forscher das Lebewesen. Sie wollten feststellen, ob sich das Tier in seinem Gefängnis körperlich normal entwickelt hatte. Eine Untersuchung der Eierstöcke ergab, dass diese funktionsfähig waren. In ihrem begrenzten Lebensraum wäre es ihr jedoch nicht möglich gewesen, sich fortzupflanzen.Die Forscher untersuchten zudem den Mageninhalt der Krabbe und fanden Teile und die DNA anderer Meeresbewohner. Demnach ernährte sich die Krabbe primär von Jungfischen, die sich ebenfalls in die Flasche verirrt hatten, sowie Algen, die vermutlich in der Flasche gewachsen waren. Die Forscher schlossen, dass die Krabbe wohl als Jungtier in die Flasche gelangte. Dort hätte sie sich für etwa zwei Monate von Jungfischen und Algen ernährt. Dann sei sie zu groß geworden, um zu entkommen. „Diese Krabbe erinnert uns an Salamander, eine berühmte Kurzgeschichte des japanischen Autors Masuji Ibuse“, sagten die Autoren. Die Geschichte beschreibt die Verzweiflung eines Salamanders, der nach zwei Jahren der Völlerei im Schutz seines Baus diesen nicht mehr verlassen kann, weil er zu groß geworden ist. „Von ähnlichen Fällen wurde in den Gewässern um Japan bereits zuvor berichtet – es ist also kein Einzelfall“, sagten die Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachjournal „Ecosphere“ veröffentlichten. „Wir möchten, dass unsere Leser erkennen, dass Objekte, die unser eigenes Leben komfortabler gestalten, manchmal unerwartete Folgen für kleine Meerestiere haben können. Gleichzeitig möchten wir die bemerkenswerte Vitalität der Rotflecken-Schwimmkrabbe hervorheben.“