Die internationalen Teams zur Suche nach Überlebenden haben sich aus Venezuela zurückgezogen. Angehörige graben weiter selbst nach ihren Toten.

Die Venezolaner lieben ihre Hochhäuser so sehr, dass sie ihnen Namen statt Hausnummern geben: Los Rosales, Coral Park, Mar y Cielo, Maribel. Namen, die nach venezolanischer Telenovela klingen. An diesem 24. Juni wurde aus den architektonischen Träumen Massengräber.

Ronaldo Silva hatte sich insgeheim gefragt, ob sein Hochhaus „Duma“ ein Erdbeben überleben würde. Der 28-jährige Architekt wusste, dass in seinem Stadtviertel Los Palos Grandes bei einem Erdbeben vor 59 Jahren mehrere Hochhäuser eingestürzt waren, weil genau dort eine tektonische Verwerfung läuft.

Die zwei kurz aufeinander folgenden Erdbeben vom 24. Juni trafen Ronaldo dennoch unvorbereitet. Bücher, der Fernseher, Geschirr fielen auf den Boden. „Ich lief auf den Flur und klammerte mich an die Säule neben dem Aufzug“, erzählt er 10 Tage später. „Ich wusste, dass ich vom 9. Stock sowieso nicht rechtzeitig runterkommen würde und bei einem Einsturz mehr Chancen hätte, gerettet zu werden, wenn ich in meinem Stock bleibe“.

Mehr als 3.300 Todsopfer