Wer dieser Tage Freibäder besucht, sieht und hört allerhand. Vom Riechen einmal ganz abgesehen, denn es gibt unfassbar viele Leute, die baden, ohne sich vorher zu duschen. Burkini und Badekleid geben zu nicht selten überhitzten ästhetischen, kulturellen und textiltechnologischen Diskussionen Anlass, am Beckenrand und in den Medien. Obwohl man mehr über jene sprechen sollte, die, igitt, mit Unterwäsche unter den Schwimmsachen oder in Straßenkleidern baden gehen.Aufregung um Badetextilien hat es immer schon gegeben, vor allem um jene der Frauen. Dass das weiter so ist, stellt der Emanzipation ein schlechtes Zeugnis aus. Gnadenlose Musterung ist die Folge, auch bei jenem Kleidungsstück, das angeblich Befreiung bedeutet.Der einstige Maschinenbauingenieur und spätere Textildesigner Louis Réard (1897 bis 1984) soll den Frauen zum minimalen Zweiteiler verholfen haben, damit sie besser bräunen könnten als in züchtigen Einteilern, heißt es. Heute ist Bräune ein Problem wie anzügliche Blicke und Bemerkungen. Und die Selbstgeißelung vor dem Spiegel, ob man für den Zweiteiler denn dünn genug sei.Réard aber machte Furore, als er am 5. Juli 1946 seinen Bikini in der Piscine Molitor in Paris vorstellte. Bikini, weil die neue Mode so explosiv sei wie die Atombombe, die auf dem Atoll getestet worden war. Der recht bieder aussehende Réard wusste also, was er tat. Auch, als er einen Stoff wählte, der mit lauter Zeitungsschlagzeilen bedruckt war.