Nachhilfe in Sachen Fruchtbarkeit: In der Schweiz startet eine neue Präventionskampagne In der Schweiz kämpft jedes fünfte Paar gegen Unfruchtbarkeit, wie ein Forschungsbericht der Universität Zürich zeigt. Nun lanciert die Gesellschaft für Reproduktionsmedizin eine Kampagne, um die gängigsten Irrtümer in Sachen Fruchtbarkeit auszuräumen.05.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDas Aufschieben des Kinderwunsches hat Konsequenzen.Boris Bürgisser / CH MediaÜberall in Europa werden weniger Kinder geboren. Die Schweiz aber gehört zu den Ländern mit der tiefsten Geburtenrate: 2024 ist sie auf den historischen Tiefstand von 1,29 Kindern pro Frau gesunken. Gleichzeitig ist im letzten Jahrzehnt der Anteil der jungen Menschen, die gar keine Kinder wollen, von 7 auf 17 Prozent angestiegen. Und: Das Durchschnittsalter von Frauen bei der ersten Geburt beträgt mittlerweile 31,3 Jahre. Auch hier nimmt die Schweiz in Europa einen Spitzenplatz ein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Diese späte Familienplanung kollidiert mit eklatanten Fehleinschätzungen biologischer Tatsachen. Ein Forschungsbericht der Universität Zürich zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung den altersbedingten Rückgang der Fruchtbarkeit systematisch unterschätzt: Dass die weibliche Fertilität bereits ab dem 35. Lebensjahr rapide nachlässt, wusste nur ein Drittel der Befragten. Fast ein weiteres Drittel glaubt fälschlicherweise, der Einbruch erfolge erst ab 40 Jahren. Auch die mit dem Alter sinkende Spermienqualität wird verkannt: Über 40 Prozent der Befragten überschätzten die Zeugungsfähigkeit von Männern jenseits der 50 massiv.Mit der Aufklärungskampagne «Let’s talk about F*» will die Schweizerische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin jungen Menschen das fehlende Wissen zum Thema Fruchtbarkeit vermitteln. Die erste Station eines Info-Busses war letzte Woche im aargauischen Baden, weitere Städte in der Deutsch- und der Westschweiz werden im Herbst angesteuert. Das Ziel: Die junge Bevölkerung soll fähig werden, möglichst informierte Entscheidungen zu treffen.Denn das Aufschieben des Kinderwunsches hat Konsequenzen: Etwa 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung durchleiden eine Phase der Unfruchtbarkeit. Das heisst, ein Paar hat mindestens ein Jahr lang vergeblich versucht, schwanger zu werden. Je länger diese Phase andauert, desto belastender wird sie: Nach fünf Jahren leidet die Hälfte der Betroffenen massiv. Ein Drittel der Hilfesuchenden muss sich letztlich mit der Kinderlosigkeit abfinden.Gesellschaft ist gespaltenDie Fortpflanzungsmedizin wird auch in der Schweiz immer wichtiger: 2023 wurden in der Schweiz 6513 Frauen behandelt, was zu 2511 Lebendgeburten führte. Vorab das Einfrieren von Eizellen (Social Freezing) steigt von Jahr zu Jahr stark an. Im Jahr 2024 machten rund 3340 Frauen davon Gebrauch, viermal so viele wie noch 2019.Die gesellschaftliche Haltung dazu ist überraschend gespalten: Sowohl das Social Freezing wie auch die Präimplantationsdiagnostik werden bloss von 48 beziehungsweise 43 Prozent der Befragten befürwortet. Die gesellschaftliche Akzeptanz von assistierten Reproduktionstechniken hängt also nicht allein von ihrem rechtlichen Status ab. Die Schweiz ist denn auch restriktiver als das Ausland: künstlich befruchten lassen können sich nur Frauen in einer stabilen Beziehung, Eizellenspende und Leihmutterschaft sind verboten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
«Let’s talk about F*»: Aufklärungsoffensive für mehr Wissen zur Fruchtbarkeit
In der Schweiz kämpft jedes fünfte Paar gegen Unfruchtbarkeit, wie ein Forschungsbericht der Universität Zürich zeigt. Nun lanciert die Gesellschaft für Reproduktionsmedizin eine Kampagne, um die gängigsten Irrtümer in Sachen Fruchtbarkeit auszuräumen.








