Wer in Berlin einen Biergarten sucht, sucht selten nur ein Bier. Es geht um Schatten, um alte Bäume, lange Bänke, Currywurst und Haxe und um die Frage, ob man nach dem zweiten Glas noch merkt, wie teuer die Stadt geworden ist.Im Osten der Stadt ist der Biergarten mehr als eine Fläche mit Zapfhahn. Er erzählt Geschichte. In Prenzlauer Berg erinnert er an die Brauereien, Arbeiter und Festsäle des 19. Jahrhunderts. In Friedrichshain steht er zwischen Graffiti, Clubs und Zukunftsangst. In Treptow liegt er auf einer Insel und macht Berlin für ein paar Stunden leise.

Der Biergarten ist eine bayerische Erfindung. In München gruben die Brauer tiefe Keller für ihr untergäriges Bier, pflanzten Kastanien für den Schatten und durften ab 1812 gleich vor Ort ausschenken.Nach Berlin kam diese Idee Mitte des 19. Jahrhunderts und setzte sich vor allem im Osten durch. Auf den lehmigen Anhöhen des Prenzlauer Bergs gruben Brauereien wie Bötzow, Pfefferberg und Königstadt ihre Lagerkeller und öffneten riesige Gärten. So mischt sich das modische bayerische Bier nach und nach unter die alte Berliner Weiße.

Die folgende Sammlung ist eher Erzählung als Rangliste: der Prater in der Kastanienallee, der Augustiner auf Bötzow, der Cassiopeia Sommergarten auf dem RAW-Gelände, der Inselgarten in Treptow und der Schleusenkrug als Grenzfall.Streng genommen liegt der Schleusenkrug im Westen. Wer aber über Berliner Biergärten zwischen Ost und West schreibt, kommt an ihm nicht vorbei. An der Tiergartenschleuse verlief die Teilung der Stadt einmal quer durchs Haus.