Am Abend des 3. Juli 2020 steht Donald Trump vor den in Granit gehauenen Präsidentenköpfen von Mount Rushmore. Fahnen, Feuerwerk, Fernsehkameras – eine bewusst aufgeladene Kulisse. Trump spricht über Denkmäler, über Geschichtsdeutung, über die Nation. »Macht euch nichts vor«, sagt er, »diese linke Kulturrevolution zielt darauf ab, die Amerikanische Revolution zu besiegen.« In diesem Moment wird sichtbar, was aus »1776« längst geworden ist: ein politischer Kampfbegriff.
Wer die Vereinigten Staaten verstehen will, muss das Gründungsjahr 1776 nicht als Anfang, sondern als fortdauernden Prozess begreifen. Das Datum ist eine Projektionsfläche, ein moralischer Maßstab, ein politisches Instrument – und gerade deshalb ein permanenter Streitfall.













