Nach der Peitsche kam das Zuckerbrot, ordnungsgemäß auf Latein. Kurz nachdem das Dikasterium für die Glaubenslehre am Donnerstag mit einem Dekret gegen alle Geistlichen der traditionalistischen Piusbruderschaft – gegen die sechs Bischöfe wie die rund 750 Priester und 150 Brüder gleichermaßen – den Kirchenbann verfügt hatte, reichten die vatikanischen Glaubenshüter unter Führung von Präfekt Víctor Manuel Fernández eine weitere Erklärung nach.Darin wird den ultrakonservativen Abtrünnigen der Weg zurück in den Schoß der Weltkirche aufgezeigt. Mit einem handschriftlichen Brief an den Papst, in dem sie um die Rücknahme der Exkommunikation bitten, und der Unterzeichnung eines lateinischen Glaubens- und Treuebekenntnisses zur Kirche, zum Papst und zu den Modernisierungsschritten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) ist es getan.Ghostwriter von Papst FranziskusEine massenhafte Heimkehr in die katholische Kirche – man spricht von weltweit 600.000 bis 800.000 Anhängern der Piusbrüder – ist aber nicht zu erwarten. Dazu ist der liturgisch-theologische Graben zwischen der 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905 bis 1991) gegründeten Priesterbruderschaft und dem Vatikan zu tief.Víctor Manuel Fernández war Mitte September 2023 noch von Papst Franziskus zum Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre ernannt worden. Ende September 2023 wurde der argentinische Erzbischof, der am 18. Juli sein 64. Lebensjahr vollendet, dann von seinem Landsmann auf dem Stuhle Petri ins Kardinalskollegium berufen. Nach dem Tod von Papst Franziskus am Ostermontag 2025 nahm Fernández als Kardinaldiakon am Konklave Anfang Mai 2025 teil. Ob auch Fernández seine Stimme dem späteren Papst Leo XIV. gegeben hat, wissen womöglich nur er und sein Schöpfer.Fernández’ eigener Laufbahn war die Wahl des ersten US-Amerikaners ins Papstamt bisher nicht abträglich. Papst Leo, der auch über die peruanische Staatsangehörigkeit verfügt, hat bisher nur sehr behutsam Personalwechsel an Schlüsselpositionen in der Kurie vorgenommen. Die außerordentliche persönliche Nähe Fernández’ zum verstorbenen Papst Franziskus hatte in Rom als möglicher „Kündigungsgrund“ gegolten. Zu Zeiten, als Jorge Mario Bergoglio, von 1992 bis zu seiner Papstwahl 2013, Bischof von Buenos Aires war, wirkte Fernández als Dekan und später als Rektor an der dortigen Päpstlichen Katholischen Universität Argentiniens. Fernández gilt als „Ghostwriter“ maßgeblicher Enzykliken von Papst Franziskus, von „Laudato si“ über „Amoris laetitia“ bis zu „Evangelii gaudium“. Auch Leo XIV. dient er in unbedingter Loyalität.