Im Schatten der Debatte über neue Regeln für Krankmeldungen im Job geht der Streit über ein weiteres gesundheitspolitisches Vorhaben im Reformpaket der schwarz-roten Koalition fast unter. Die Rede ist von der „Termingarantie Fachärzte“, die im elften von 34 Punkten genannt wird.Das Ziel, gesetzlich Versicherten bei der Einführung einer sogenannten Primärversorgung im Krankheitsfall zuerst den Gang zum Hausarzt vorzuschreiben und bei Bedarf einen zeitnahen Termin bei Fachkollegen anbieten zu können, hält die Kassenärztliche Bundesvereinigung jedoch für nicht umsetzbar.„Termingarantien müssen medizinisch begründet sein und nicht dem Wunschdenken von Politikern entspringen“, hatte es in einer Stellungnahme unter anderem vom Chef der Kassenärzte, Andreas Gassen, geheißen: „Die Realität wird einfach ausgeblendet.“ Man empfehle der Koalition in diesem Zusammenhang, „auch eine Garantie auf viele Sonnentage bei angenehmen 25 Grad einzuführen“. Geplante Termingarantie wird schon länger diskutiert Der Kritik der Kassenärzte an der geplanten Facharzt-Garantie widerspricht Matthias Miersch, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, nun vehement. „Aussagen wie die von Herrn Gassen sind für Patienten, die monatelang auf einen Termin warten, ein Hohn“, sagte er dem Tagesspiegel: „Sie motivieren mich nur noch mehr, die Termingarantie durchzusetzen.“Dann soll er mir bitte erklären, warum Privatversicherte spürbar schneller einen Facharzttermin bekommen als gesetzlich Versicherte.Matthias Miersch über die Kritik von Kassenärzte-Chef Andreas GassenDer Sozialdemokrat sagt weiter, er werde „im Herbst bis zum Umfallen für die Termingarantie beim Facharzt für gesetzlich Versicherte kämpfen“. Die durchschnittliche Wartedauer beträgt 36 Tage Wenn der Kassenärzte-Chef „die Idee einer solchen Garantie nicht nachvollziehen“ könne und argumentiere, „Termine würden zuallererst nach medizinischer Notwendigkeit vergeben“, so Miersch zu dessen Kritik weiter, dann „soll er mir bitte erklären, warum Privatversicherte spürbar schneller einen Facharzttermin bekommen als gesetzlich Versicherte“.Der SPD-Fraktionschef erklärte: „Es kann doch nicht sein, dass privat Versicherte allein wegen ihres Status eine höhere medizinische Notwendigkeit haben sollen. Genau darum geht es mir.“Laut Bundesgesundheitsministerium liegt die durchschnittliche Wartezeit für gesetzlich Versicherte bei 36 Tagen, wenn sie einen Facharzttermin wollen. Miersch hatte in der Vergangenheit bereits eine maximale Dauer von drei Wochen gefordert. Gassen wiederum hatte diese Forderung als „Bullshit“ bezeichnet.
„Für Patienten, die monatelang auf einen Termin warten, ein Hohn“: SPD-Fraktionschef kontert Kritik der Kassenärzte
Schwarz-Rot plant eine Facharzt-Termingarantie für gesetzlich Versicherte. Matthias Miersch will „bis zum Umfallen“ dafür kämpfen, obwohl Kassenärzte das für „Wunschdenken“ halten.
















