„Aber der Kaiser ist ja nackt!“, ruft das Kind. Und erst da erkennen auch die Hofschranzen des Monarchen, dass sie ebenfalls der kaiserlichen Illusion erlegen waren. Ähnlich wie in Hans Christian Andersens Märchen merkt nun auch die Berliner CDU, dass Kai(ser) Wegner nichts anhat. Bis der Groschen bei den CDUlern gefallen ist, hat es allerdings exakt 22 Tage gedauert – vom Landesparteitag mit der Krönung Wegners zum Spitzenkandidaten bis zur ersten Umfrage von Infratest Dimap.

Auf dem CDU-Landesparteitag am 9. Juni war es kein Kind, das sich traute, die Wahrheit auszusprechen, sondern der 85-jährige Wolfram Wickert. Er fasste sich ein Herz und stellte sich nicht nur als Gegenkandidat zu Wegner auf, sondern warnte die Delegierten auch davor, nicht wie die Lemminge einem durch diverse Skandale verbrannten Politiker über den Klippenrand zu folgen. Wickert wurde ausgebuht. Am 1. Juli folgte die Umfrage-Quittung: Nur noch 17 Prozent der Berliner würden CDU wählen. Bei der Abgeordnetenhauswahl vor drei Jahren waren es noch 28 Prozent. Jetzt bricht Panik aus.

Bürger sehen Inkompetenz: Wegner schiebt Schuld auf Kanzler Merz

Von „Entsetzen“ ist die Rede, von „Verzweiflung“. In den sozialen Medien zeigen sich die CDU-Anhänger „maßlos enttäuscht“ oder finden das „einfach nur heftig“. Bei der zugeschriebenen Kompetenz, Probleme zu lösen, fällt die CDU Berlin laut Infratest Dimap sogar um 16 (!) Punkte auf elf Prozent zurück. Linke und AfD liegen hier jetzt weit vorne. Was haben sich die Berliner Mitglieder, Funktionäre und Mandatsträger der CDU denn gedacht? Dass sie mit Wegner in eine goldene zweite Amtszeit reiten? Nach all seinen Skandalen?