Wenn jetzt bei den Fernseh-Übertragungen der Fußball-WM wieder allerlei ehemalige Profis neben den Moderatoren sitzen und ihre Einschätzungen zum Geschehen abgeben, dann ist das Manfred Vorderwülbecke zu verdanken. Der frühere Sportreporter des Bayerischen Rundfunks (BR) hat das Expertenwesen hierzulande eingeführt, als er im Dezember 1977 bei einem Abfahrtsrennen im alpinen Ski-Weltcup die zweimalige Olympiasiegerin Rosi Mittermaier neben sich vor Kamera und Mikrofon holte. Seitdem gehören ehemalige Spitzenathleten mit ihrem Wissen bei allen Sendern zur Berichterstattung über Großereignisse im Sport dazu.Dabei wäre Vorderwülbecke seinerzeit gar nicht auf die Expertise von Rosi Mittermaier angewiesen gewesen, er hatte selbst genug davon als staatlich geprüfter Skilehrer. Als solcher entwickelte er in den Siebzigerjahren auch die Sendung „Tele-Ski“: Angeleitet von Spitzenathleten des alpinen Skisports wurden interessierte Zusehende vor den TV-Geräten fit gemacht für die Wintersaison. Über Bayerns Grenzen hinaus ließen sich viele Menschen zu dieser Ski-Gymnastik animieren, beim BR spricht man noch heute von einem „Kult-Klassiker“.Es war nicht das einzige Format, zu dem Manfred Vorderwülbecke die Idee hatte. Gemeinsam mit seinem Kollegen Eberhard Stanjek entwickelte er vor einem halben Jahrhundert auch die Sendung „Blickpunkt Sport“, in der sie den Schwerpunkt der Berichterstattung vom Aktuellen zum Hintergründigen verschoben. Das Konzept hat viele Nachahmer gefunden, nicht nur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Insofern kann man Vorderwülbecke durchaus als Pionier und Wegbereiter seiner Branche bezeichnen.1940 geboren, machte er sein Abitur am Karlsgymnasium im Münchner Stadtteil Pasing, studierte anschließend Sport und Germanistik auf Lehramt, wandte sein Wissen dann aber doch lieber im Journalismus an. Der damalige Sportchef Heinz Maegerlein holte ihn bereits 1966 zum BR, wo Vorderwülbecke fortan vor allem in Sachen Wintersport im Einsatz war. Als Reporter, Moderator, Kommentator und Ideengeber gehörte er zu einer prägenden Generation von Sportjournalisten des Senders. Darüber hinaus führte er mit seiner unaufgeregten, sonoren Stimme später auch durch die Sportschau der ARD.Bis in die Neunzigerjahre hinein war VW, wie ihn seine Kollegen nannten, auf dem Bildschirm präsent, dann zog er sich aus der Öffentlichkeit ins Privatleben zurück. Wie seine Familie nun mitteilte, ist Manfred Vorderwülbecke am 28. Juni nach längerer Krankheit im Alter von 86 Jahren in München gestorben. Mit ihm verliere die Sportredaktion „einen Großen, einen Sympathieträger, eine Stimme des Wintersports“, würdigte der aktuelle BR-Sportchef Christoph Netzel das Lebenswerk Vorderwülbeckes.
Manfred Vorderwülbecke ist tot: Früherer Sportschau-Moderator war der Erfinder des TV-Experten
Der Sportmoderator war Ideengeber beim Bayerischen Rundfunk, erfand „Tele-Ski“ und „Blickpunkt Sport“. Jetzt ist er mit 86 Jahren gestorben.







