Gut, dass die Uni Kassel aus gegebenem Anlass noch einmal daran erinnert: Die Zivilklausel in ihrer Grundordnung, der zufolge Forschung und Lehre friedlichen Zielen zu dienen haben, ist nicht mehr als ein Appell. Unabhängig davon, ob sich der Uni-Senat dazu durchringt, dieser Mahnung einen zeitgemäßen Charakter zu geben oder nicht – die Freiheit der Wissenschaft wird nicht von hochschulinternen Kodizes garantiert, sondern vom Grundgesetz.Trotzdem ist zu wünschen, dass die Kasseler es schaffen, sich von dem Anachronismus zu lösen, der jede Kooperation von Forschern mit Bundeswehr oder Rüstungsfirmen unter den Generalverdacht der Kriegstreiberei stellt. Die Uni könnte zum Beispiel klarstellen, dass friedliche Ziele wie der Schutz einer Demokratie auch mit militärischen Mitteln, sprich Aufrüstung, angestrebt werden können. Und sie könnte mit dem Irrglauben aufräumen, dass sich zivile und militärische Zwecke in Zeiten von Drohnenkampf und Cyberwar stets sauber trennen ließen.Erwartbarer Aufschrei des organisierten PazifismusEs sieht so aus, als hätte der erwartbare Aufschrei des organisierten Pazifismus die Senatoren am Donnerstag zunächst davon abgehalten, die Präambel der Grundordnung in diesem Sinn zu korrigieren – obwohl ein entsprechender Vorschlag auf dem Tisch lag. Das Argument der GEW, eine solche Änderung müsse sorgfältig abgewogen werden, ist absurd: Welche fein ziselierten Gedankengänge braucht es gut vier Jahre nach Beginn des Großangriffs auf die Ukraine noch, um zu begreifen, was die Stunde geschlagen hat?Dass sich Gewerkschafter im Kampf gegen die Verteidigungsforschung mit (nicht nur linken) Friedensschwurblern und Putin-Propagandisten gemein machen, ist besonders ärgerlich. Gerade Menschen, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzen, sollten wissen, was die Voraussetzung für dieses Engagement ist: die Existenz eines freiheitlichen Staats wie der Bundesrepublik Deutschland. Wenn Wissenschaftler mit ihrer Arbeit dazu beitragen wollen, deren Fortbestehen zu sichern, verdienen sie Ermutigung statt Misstrauen.
Militärforschung an der Uni Kassel: Ran an die Zivilklausel
Die Uni Kassel will ihre anachronistische Zivilklausel der Wirklichkeit anpassen – aber sie traut sich nicht recht. Ausgebremst wird sie auch von Gewerkschaftern. Das ist besonders ärgerlich.













