PfadnavigationHomePolitikDeutschlandWahl in Sachsen-AnhaltWissenschafts-Bündnis warnt vor „autoritärer Hochschulpolitik der AfD“Stand: 14:36 UhrLesedauer: 4 MinutenUlrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD Sachsen-Anhalt, bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Wahlkampagne zur LandtagswahlQuelle: Ronny Hartmann/dpaMitbestimmung, Gender Studies, Ausrichtung der Forschung: Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften und Wissenschaft warnt vor den Landtagswahlen, die AfD Sachsen-Anhalt wolle die Hochschulen umbauen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft sieht die „Freiheit der Wissenschaft“ bedroht.Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Studierendenvertretungen und Wissenschaftsorganisationen warnt vor den hochschulpolitischen Plänen der AfD in Sachsen-Anhalt. In einer gemeinsamen Erklärung kritisierte das Bündnis Vorhaben aus dem AfD-Regierungsprogramm wie die Einschränkung der Mitbestimmung an Hochschulen, die Abschaffung von Gleichstellungsbeauftragten und stärkere politische Vorgaben für Forschung.Dem Bündnis gehören unter anderem die Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Verdi an, aber auch Studierendenräte, Promovierendenvertretungen sowie die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen und Universitätskliniken. Sie alle wenden sich gegen die aus ihrer Sicht „autoritäre Hochschulpolitik der AfD“. Zudem warnt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vor dem AfD-Wahlprogramm.Lesen Sie auchIm Regierungsprogramm bezeichnet die AfD bestehende Beteiligungsrechte an Hochschulen als „pseudodemokratisch“. Nach ihren Plänen sollen Professoren wieder mehr Entscheidungsbefugnisse erhalten, während der Einfluss von Studierenden und anderen Hochschulgruppen zurückgedrängt werden soll. Zudem will die Partei Gleichstellungsbeauftragte durch Familienbeauftragte ersetzen. In der Wissenschaft will die AfD Forschungsrichtungen wie Gender Studies oder Studien zur menschengemachten Klimakrise zurückdrängen, andere dagegen gezielt fördern.„Demokratische Mitbestimmung ist kein Problem, sondern eine Stärke der Hochschulen“, heißt es in der Erklärung. Die Unterzeichner warnen zudem vor parteipolitischem Einfluss auf Forschung und Lehre. Wissenschaft müsse frei bleiben – „unabhängig davon, ob wissenschaftliche Ergebnisse (un)bequem oder (un)erwünscht sind“.Lesen Sie auchKritik übt das Bündnis auch an den Plänen der AfD zur Studienförderung. Die Partei will alternativ zum Bafög eine leistungsabhängige Landesförderung mit Stipendien für Studium und Promotion einführen. Das Bündnis sieht darin eine Abkehr vom Gedanken sozialer Chancengleichheit.Lesen Sie auchHochschulen müssten Orte bleiben, „in denen kritisch gedacht, frei geforscht und demokratisch gestritten werden kann“, heißt es in der Erklärung.Deutsche Forschungsgemeinschaft kritisiert AfD-ProgrammAuch die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Katja Becker, hat deutliche Kritik an den wissenschaftspolitischen Positionen der AfD geäußert. Becker verwies bei der am Mittwoch zu Ende gehenden DFG-Jahresversammlung in Bonn ebenfalls auf das „Regierungsprogramm“ der AfD für Sachsen-Anhalt. Es stelle die Freiheit der Forschung infrage, sagte sie. Die Landes-AfD wolle aufgrund einer angeblich „politisierten“ und „ideologisierten“ Wissenschaft einzelne Forschungsfelder sowie die Drittmittelförderung nach bisherigen wissenschaftlichen Qualitätskriterien abschaffen.„Solche Aussagen verdienen Widerspruch. Nicht weil sie politische Positionen vertreten, sondern weil sie ein Wissenschaftsverständnis erkennen lassen, das mit den Grundprinzipien unserer Verfassung unvereinbar ist“, sagte die DFG-Präsidentin. „Wer die Freiheit der Wissenschaft einschränkt, schwächt damit nicht nur die Wissenschaft. Er untergräbt auch die Grundlagen einer offenen Gesellschaft“, sagte die DFG-Präsidentin.Lesen Sie auchAngriffen auf die Wissenschaftsfreiheit stellte Becker den Wert einer freien und unabhängigen Wissenschaft für die offene Gesellschaft und die Demokratie entgegen. „Demokratie und Wissenschaft wurzeln in derselben geistigen Haltung. Beide setzen voraus, dass Argumente stärker sein sollten als Autoritäten, Kritik produktiver als Gewissheit und Lernen wichtiger als Rechthaben.“Demokratie und Wissenschaft lebten zudem beide von der Einsicht, dass „Erkenntnis niemals abgeschlossen ist und dass Freiheit nicht trotz, sondern erst durch Offenheit und Dialog möglich wird“, fügte Becker hinzu. Ohne eine freie Wissenschaft verliere eine Gesellschaft ihre Fähigkeit, zwischen Wissen und Behauptung, zwischen Erkenntnis und Ideologie zu unterscheiden. Becker äußerte sich auf der Festveranstaltung am Dienstagabend in der Bundeskunsthalle in Bonn.3,8 Milliarden Euro JahresetatDie DFG ist mit rund 3,8 Milliarden Euro Jahresetat und gut 30.000 geförderten wissenschaftlichen Projekten die zentrale Einrichtung für die Selbstverwaltung der Wissenschaft in Deutschland. Von KI bis Theologie, von der Meeresforschung bis zur mittelalterlichen Literatur reicht das Spektrum der geförderten Projekte und Personen. Die Organisation wurde im Oktober 1920 als „Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ gegründet. Ab 1933 passte sie sich dem neuen Zeitgeist an und verengte die wissenschaftliche Förderung auf die Autarkie-, Rüstungs-, Volks- Rassen- und Gesundheitsforschung. Jüdische Wissenschaftler wurden von Förderung ausgeschlossen. Vor 75 Jahren, am 2. August 1951, wurde sie neu gegründet.Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In aktuellen Umfragen liegt die AfD bei rund 40 Prozent. Die CDU als zweitstärkste Partei kommt auf etwa 26 Prozent.dpa/kna/saha