PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHamburg verschärft Maßnahmen gegen offene TrinkerszeneStand: 15:05 UhrLesedauer: 3 MinutenDas Trinken von Alkohol ist jetzt nicht nur am Hamburger Hauptbahnhof, sondern auch in weiten Teilen des Stadtteils St. Georg verboten. (Archivbild)Quelle: Christian Charisius/dpaDer Senat verschärft das Alkoholverbot rund um den Hauptbahnhof. Die Pläne der CDU-Opposition gegen die offene Trinker- und Drogenszene reichen noch deutlich weiter.Sowohl Hamburgs rot-grüner Senat als auch die CDU-Opposition haben die offene Trinker- und Drogenszene rund um den Hauptbahnhof und im Stadtteil St. Georg ins Visier genommen. Während der Senat das Verbot des Alkoholkonsums auf öffentlichen Straßen und Plätzen von August an deutlich ausweitet, hat die CDU einen Zehn-Punkte-Plan gegen Drogensucht vorgelegt. Die Linken werfen dem Senat vor, Verdrängung als Sicherheit zu verkaufen.Alkoholverbotszone in weiten Teilen von St. GeorgDie Alkoholverbotszone soll zunächst für ein Jahr auch weite Teile des Stadtteiles St. Georg umfassen, teilten Innen- und Sozialbehörde mit. Damit darf man in der Zone zwar Bier, Wein und Co. bei sich tragen, sie aber nicht trinken. Ziel sei es, «die alkoholkonsumbedingten Belastungen für die Menschen im Stadtteil spürbar zu reduzieren und damit die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern». Zuletzt hatte es immer wieder Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern gegeben, weil das seit 2024 geltende Verbot am Hauptbahnhof das Drogen- und Alkoholproblem lediglich räumlich verlagert hatte - in den Stadtteil St. Georg hinein.Zusätzlich zu der Verbotszone sollen den Angaben zufolge Menschen verstärkt personenbezogen kontrolliert und der Aufenthalt von ausländischen Straftätern und erheblichen Ordnungsstörern beendet oder sie zurückgeführt werden. Den Angaben der Behörden zufolge haben die meisten Störer und Straftäter rund um den Hauptbahnhof keinen festen Wohnsitz und häufig auch kein festes Aufenthaltsrecht. Gleichzeitig soll es mehr Unterstützung für suchtkranke und obdachlose Menschen rund um den Hauptbahnhof geben sowie fünf neue Stellen für Straßensozialarbeiter.CDU: «Die Situation ist insgesamt absolut inakzeptabel.»«Rund um den Hauptbahnhof und in St. Georg hat sich eine Situation verfestigt, die weder den Menschen vor Ort noch den Ansprüchen unserer Stadt gerecht wird», sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering bei einem Ortstermin. Offener Drogenkonsum, sichtbarer Drogenhandel, Verwahrlosung des öffentlichen Raums und wiederkehrende Gewaltvorfälle prägten das Bild. «Die Situation ist insgesamt absolut inakzeptabel.»Tatsächlich versammeln sich seit Jahren vor dem Drob Inn - eine Beratungseinrichtung für erwachsene Drogenabhängige mit integrierten Drogenkonsumräumen - vielfach Hunderte Menschen. Zuletzt hatte die Stadt Zäune als Sichtschutz zum nahe gelegenen Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg aufgebaut. Außerdem wurden Toiletten und Schattenspender installiert.Drogensucht, Obdachlosigkeit, psychischen ErkrankungenDer Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries, sagte, am nahe gelegenen Hansaplatz verbarrikadierten Anwohner inzwischen ihre Hauseingänge, damit sie dort nicht jeden Tag über Junkies stolpern müssten. «Das, was wir sehen, ist eine Mischung aus Drogensucht, Obdachlosigkeit, psychischen Erkrankungen, aber auch organisierter Kriminalität.»«Wir wollen eine dauerhafte Polizeipräsenz», sagte Thering. Die Waffenverbotszonen müssten weiträumig über ganz Sankt Georg und bis in die Innenstadt hinein erweitert werden. Gleichzeitig müsse die Videoüberwachung deutlich ausgeweitet werden. Nur durch Kontrolldruck und Präsenz werde man hier für mehr Sicherheit sorgen können, sagte der CDU-Innenexperte Dennis Gladiator.CDU will Suchthilfe neu organisierenAuf der anderen Seite will die CDU auch die Suchthilfe umorganisieren. «Die Hilfsangebote gibt es hier mannigfaltig, aber sie sorgen dafür, dass sich eine Szene verfestigt, anstatt den Menschen zu helfen, aus dieser Notlage herauszukommen», sagte Gladiator. Der Fokus müsse auf Ausstiegsangebote, auf Reintegration und auf die Gesundheit gerichtet werden. «Und wir müssen auch schauen, dass wir Hilfsangebote nicht an einem zentralen Ort in der Stadt bündeln und damit dort auch die Probleme bündeln», betonte der CDU-Innenexperte. Viel sinnvoller seien dezentrale Lösungen.Die Linke sieht die Vorstöße dagegen kritisch. «Der Senat weitet seine Verbotspolitik aus und verkauft Verdrängung als Sicherheit», klagte der Linken-Innenexperte Deniz Celik. Wer ernsthaft Sicherheit schaffen wolle, dürfe nicht so tun, als würden Sucht, Armut und Obdachlosigkeit verschwinden, wenn man Menschen nur ein paar Straßen weiter verdränge. «Die Bußgelder treffen vor allem Menschen, die ohnehin kaum etwas haben - so wird kein einziger Konflikt gelöst, keine Wohnung geschaffen, kein Therapieplatz und kein Schutzraum», sagte Celik.dpa-infocom GmbH