PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHamburger HauptbahnhofSenat verschärft Kurs gegen Drogenszene und weitet Alkoholverbot ausStand: 11:11 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Drogenszene im August-Bebel-Park vor der Drogenhilfseinrichtung Drob InnQuelle: Bertold Fabricius/Pressebild.de/Bertold FabriciusNeue Maßnahmen sollen St. Georg entlasten und den Hauptbahnhof sicherer machen. Zeitgleich präsentiert die CDU einen eigenen Zehn-Punkte-Plan und wirft dem rot-grünen Senat vor, die Opposition ausbremsen zu wollen.Hamburgs Hauptbahnhof ist seit Jahren eines der umstrittensten Themen der Stadtpolitik. Kaum ein anderer Ort steht so sehr für die Konflikte zwischen Sicherheitsinteressen, sozialer Hilfe und den Folgen einer offenen Drogen- und Obdachlosenszene. Nun kommt neue Bewegung in die Debatte. Am Freitag hat der Hamburger Senat eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen für den Hauptbahnhof und den Stadtteil St. Georg vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen eine deutlich ausgeweitete Alkoholkonsumverbotszone, ein schärferes Vorgehen gegen Straftäter und Ordnungsstörer sowie weitere Hilfen für Suchtkranke und Obdachlose. Der Zeitpunkt der Ankündigung sorgt jedoch für politischen Zündstoff. Denn nur wenig später stellte die CDU-Bürgerschaftsfraktion ihren eigenen Zehn-Punkte-Plan gegen Drogensucht und Verwahrlosung am Hauptbahnhof vor. Die Christdemokraten sehen einen direkten Zusammenhang. Fraktionschef Dennis Thering erhebt den Vorwurf, der Senat habe seine Mitteilung gezielt vorgezogen, um die CDU auszubremsen. „Der rot-grüne Senat hat dem über Jahre tatenlos zugesehen und kommt heute mit unausgegorenen Ankündigungen um die Ecke, nur weil die CDU-Fraktion zu einer Pressekonferenz eingeladen hat“, sagte Thering.Dabei zeigen beide Konzepte bemerkenswerte Parallelen. Der Senat kündigt an, die bestehende Alkoholkonsumverbotszone am Hauptbahnhof auf den Hansaplatz, den oberen Steindamm und den Bereich des Zentralen Omnibusbahnhofs auszuweiten. Die neue Regelung soll voraussichtlich zum 1. August in Kraft treten und zunächst ein Jahr gelten. Zugleich arbeitet die Innenbehörde an einer gesetzlichen Grundlage für Alkoholverkaufsverbote in besonders belasteten Quartieren.Lesen Sie auchGenau diese Forderungen finden sich auch im CDU-Papier. Dort verlangt die Fraktion die Ausweitung der Alkoholkonsumverbotszone, lokale Verkaufsverbote für Alkohol, eine stärkere Videoüberwachung, zusätzliche Waffenverbotszonen sowie dauerhaft mehr Polizeipräsenz rund um den Hauptbahnhof.Die Hansestadt verweist darauf, dass die bisherigen Maßnahmen bereits Wirkung gezeigt hätten. Unter dem Dach der „Allianz sicherer Hauptbahnhof“ wurden in den vergangenen Jahren die sogenannte Quattro-Streife, Videoüberwachung sowie Waffen- und Alkoholverbote eingeführt. Die Zahl der KI-gestützten Kameras am Hachmannplatz und Hansaplatz wurde Ende Juni von 16 auf 28 erhöht. Zudem setzt die Polizei auf ein dichtes Netz aus Kontroll- und Streifeneinsätzen.Nach Angaben des Senats wurden allein im ersten Halbjahr mehr als 33.000 Personen im Umfeld des Hauptbahnhofs überprüft. Tausende Aufenthaltsverbote und Platzverweise seien ausgesprochen worden. Die Zahl der Straftaten in St. Georg sei im vergangenen Jahr um mehr als 1800 Fälle zurückgegangen. Mit einer Aufklärungsquote von knapp 74 Prozent liege der Stadtteil deutlich über dem Hamburger Durchschnitt. Trotzdem sei die Belastung für Anwohner weiterhin hoch. Deshalb seien zusätzliche Maßnahmen notwendig.Lesen Sie auchKern der neuen Strategie ist ein stärker personenbezogenes Vorgehen gegen Menschen, die wiederholt durch Straftaten oder erhebliche Ordnungsstörungen auffallen. Dabei spielt die Koordinierungsstelle KOSTARS eine zentrale Rolle. Die gemeinsame Einrichtung von Polizei, Amt für Migration und Bundespolizei soll Straftäter und besonders auffällige Ordnungsstörer ohne Aufenthaltsrecht schneller zurückführen. Seit November 2025 wurden laut Senat bereits 30 Personen aus dem Bereich Hauptbahnhof und St. Georg zurückgeführt. Darüber hinaus seien seit Anfang 2025 weitere 41 wohnungslose EU-Bürger in ihre Herkunftsländer zurückgeführt worden.Parallel setzen Polizei und Staatsanwaltschaft auf ein sogenanntes Vielfachtäterkonzept. Ziel ist es, Verfahren gegen wiederholt straffällige Personen in einem zuständigen Sonderdezernat der Staatsanwaltschaft zu bündeln und dadurch Verurteilungen zu Gesamtstrafen zu erleichtern.Dezentralisierung der Hilfseinrichtungen gefordertDie CDU begrüßt zwar den stärkeren Fokus auf Sicherheit, hält die bisherigen Maßnahmen aber für unzureichend. Thering fordert eine grundlegende Neuordnung der Suchthilfe. „Unser 10-Punkte-Plan setzt auf klare Regeln, spürbare Präsenz und eine Suchthilfe, die Menschen nicht in der Szene hält, sondern ihnen Wege aus der Sucht eröffnet“, sagte der CDU-Politiker. Gleichzeitig müsse die starke Konzentration von Hilfsangeboten rund um den Hauptbahnhof aufgebrochen werden. Die Fraktion fordert eine gezielte Dezentralisierung der Einrichtungen sowie eine stärkere Ausrichtung auf Therapie und Reintegration.Lesen Sie auchAuch der Senat will die Hilfsangebote weiterentwickeln. Die Straßensozialarbeit in Hamburg-Mitte wird auf fünf Vollzeitstellen ausgebaut. Das Drob Inn bleibt zentraler Anlaufpunkt für suchtkranke Menschen. Dort wurden nach Angaben der Sozialbehörde allein 2025 rund 83.000 Konsumvorgänge in den Drogenkonsumräumen registriert. Der Social HUB vermittelte seit seiner Einrichtung 85 Menschen in weiterführende Hilfen. Bei weiteren 33 Personen seien konkrete Fortschritte erreicht worden. Die Einrichtung Repsoldstraße 27 bietet inzwischen 30 betreute Übergangsplätze für suchtkranke und obdachlose Menschen. Hinzu kommt mit PIER27 eine psychiatrische Schwerpunktambulanz für psychisch und suchtkranke Personen.Während Rot-Grün die Kombination aus Sicherheit und sozialer Hilfe als Erfolgsmodell darstellt, fordert die CDU eine deutlich schärfere Gangart. Bundestagsabgeordneter Christoph de Vries spricht von einem „echten Sicherheitsdefizit“ rund um den Hauptbahnhof. „Bei aller sozialen Verantwortung, der wir uns verpflichtet fühlen, darf es keine No-go-Areas und Angsträume in unserer Stadt geben“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium.dfe
Hamburger Hauptbahnhof: Senat verschärft Kurs gegen Drogenszene und weitet Alkoholverbot aus - WELT
Neue Maßnahmen sollen St. Georg entlasten und den Hauptbahnhof sicherer machen. Zeitgleich präsentiert die CDU einen eigenen Zehn-Punkte-Plan und wirft dem rot-grünen Senat vor, die Opposition ausbremsen zu wollen.








