KommentarThailand muss Frauen und Kinder besser schützenHunderttausende Sextouristen besuchen jährlich ein Land, in dem Prostitution eigentlich illegal ist. Thailands Regierung, Polizei und Behörden dulden sie, weil es ein profitables Geschäft ist. Der jüngste Mord an einer 17-Jährigen zeigt, wohin diese Heuchelei führt.03.07.2026, 14.57 Uhr3 LeseminutenDer Badeort Pattaya wurde jüngst zum Schauplatz eines Mords an einer 17-Jährigen. Verdächtigt wird ihr 46-jähriger Freier aus Australien.Sirachai Arunrugstichai / GettyJahrzehntelang heisst es nun schon: Thailand will weg vom Sextourismus. Das Land hat massiv in Marketing investiert, es ist das Land des Lächelns, das Strände, Natur, Wasserparks hat und wunderschöne Hotelanlagen, ideal für Familien.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Aber das Image der Sexdestination konnte Thailand nie ganz ablegen. Das merkt jeder, der einmal mit dem Flugzeug nach Bangkok oder Phuket geflogen ist. Auffallend viele Männer reisen allein. Sie fliegen ins Land des Lächelns, weil sie genau das suchen, ein Lächeln. Und mehr, für wenig Geld.Jüngst schockierte die Nachricht aus dem Badeort Pattaya über einen 46-jährigen Australier, der eine 17-Jährige für sexuelle Handlungen gegen Bezahlung mit auf sein Zimmer nahm. Die nackte Leiche der Jugendlichen wurde später von der Polizei, in einen Koffer gequetscht, am Strassenrand gefunden. Dem Australier wird unter anderem Mord vorgeworfen. Er war gefilmt worden, wie er mit einem Koffer das Hotel verliess und ohne ihn zurückkam. Er bestritt, sie getötet zu haben, gab aber zu, dass es zum Streit gekommen war, weil er statt der abgesprochenen 1000 Baht (etwa 27 Franken) nur die Hälfte bezahlen wollte.Thailand muss Frauen und Kinder besser schützen, vor sexueller Ausbeutung, Gewalt, Menschenhandel – und sich von der Illegalität der Prostitution, die nur auf dem Papier existiert, verabschieden.Niemand greift einProstitution ist in Thailand seit 1960 gesetzlich verboten. Gleichzeitig ist sie eine gesellschaftliche Realität, die aus ökonomischer Ungleichheit erwächst. Der Markt ist auf wohlhabendere Ausländer ausgerichtet. Für die Frauen, oft aus armen Verhältnissen, ist die Sexarbeit eine Möglichkeit, ihre Familien zu unterstützen. Dazu kommt: Die Prostitution spült Milliarden in die Staatskasse. Lokale Polizisten und Richter profitieren von Schutz- und Schmiergeldern.Es gibt zwar immer wieder Razzien, Ankündigungen, Strafverfolgungen. Doch sie kratzen nur an der Oberfläche. Sie erwecken den Anschein, dass der Staat und die Behörden hinschauen, während sie mehrheitlich beide Augen zudrücken und die Hände ausstrecken.Legalisierung und konsequente StrafverfolgungWer Geld hat, kann sich in Thailand alles erlauben, so lautet die implizite Botschaft. Die organisierte Kriminalität liebt solche Bedingungen. Und so floriert in dieser institutionalisierten Grauzone der Menschenhandel, die chinesische Mafia weitet ihren Einfluss aus. In den Bars, Massagesalons, auf der Strasse oder am Strand gibt es Sex mit Kindern und Teenagern zu kaufen. In den einschlägigen Quartieren in Phuket, Bangkok und Pattaya schlendern ältere Männer händchenhaltend mit Mädchen durch die Strasse, und niemand greift ein.Hilfsorganisationen vor Ort, Frauenorganisationen wie die Empower Foundation und Experten, die jahrelange Feldforschung betrieben haben, fordern deshalb eine kontrollierte Legalisierung oder Entkriminalisierung der Prostitution. Das würde die wirtschaftlich oft abhängigen Frauen schützen.Wenn die einvernehmliche Sexarbeit in kontrollierte Bahnen gelenkt wird, etwa durch Lizenzvergaben, wird der Markt übersichtlicher, das Korruptionssystem rund um Schutz- und Schmiergelder wird geschwächt. Erst dann hat die Polizei die Ressourcen, dort hinzuschauen, wo das Verbrechen liegt: beim Kindesmissbrauch, bei der Zwangsprostitution, der Ausbeutung und dem Menschenhandel.Ausländer in Thailand in der PflichtDas wäre ein starkes Signal Thailands, auch an Touristen aus dem Ausland, die Thailands Tourismusindustrie am Leben erhalten. Aber die Verantwortung trägt nicht der thailändische Staat allein. Ausländer, die nach Thailand reisen, müssen verinnerlichen, dass sie in diesem Land zu Gast sind – selbst der Umstand, dass ihre Währung dort viel wert ist, erlaubt ihnen nicht, das Gesetz zu brechen.Passend zum Artikel