Grausiges Verbrechen im Sextourismus: Mord an einem Teenager erschüttert ThailandEin Australier soll in Pattaya eine minderjährige Frau ermordet haben, nachdem sie über den Preis einer sexuellen Dienstleistung gestritten hatten. Nun debattiert Thailand darüber, welchen Tourismus das Land haben will.02.07.2026, 11.52 Uhr3 LeseminutenPolizisten an der Fundstelle der Leiche des Teenagers in Pattaya.Teerasak Suttativong / ReutersEin Mord in Pattaya erschüttert gerade die thailändische Öffentlichkeit. Ein 45-jähriger Australier wird beschuldigt, eine 17-jährige Thailänderin ermordet zu haben. Die Leiche soll er anschliessend in einen Koffer gepackt und neben Eisenbahngleisen abgestellt haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Opfer soll ihm in den frühen Morgenstunden des vergangenen Donnerstags freiwillig in seine Wohnung in Pattaya gefolgt sein. Die beiden hatten einen Preis für sexuelle Dienstleistungen vereinbart. Das Opfer stammt aus einer der ländlichen Provinzen Thailands. Lokale Medien berichten, die junge Frau habe ihrem Vater gesagt, sie fahre nach Pattaya in die Ferien.Laut der Polizei in Pattaya ist die Beweislage erdrückend: Bilder der Überwachungskameras, die in fast allen privaten Wohnanlagen in Thailand hängen, zeigen den Mann Hand in Hand mit dem Opfer ins Gebäude hineinlaufen. Die junge Frau schrieb daraufhin einer Freundin, sie sei in der Wohnung angekommen. Stunden später kam der Australier alleine, aber mit einem grossen Koffer aus der Wohnanlage. Die Freundin meldete das Opfer in den Stunden nach dessen Verschwinden als vermisst.Kratzspuren am KörperDer Australier befindet sich in Polizeigewahrsam, bestreitet aber, die 17-Jährige getötet zu haben. Er sagte laut lokalen Medien, er habe mit dem Opfer über den Preis für die Dienstleistung gestritten. Statt der vereinbarten 1000 Baht (umgerechnet 27 Franken) habe er nur 500 zahlen wollen. Sie sei verschwunden, nachdem er eingeschlafen war. Laut der Polizei hatte er Kratzspuren am Körper und soll zugegeben haben, die junge Frau gewürgt zu haben. Sollte er verurteilt werden, dürfte ihn die Todesstrafe erwarten. Er wird nicht nur des Mordes verdächtigt, sondern auch der «unanständigen Dienstleistungen» mit Minderjährigen. Das Schutzalter für Sexarbeit beträgt in Thailand 18 Jahre.Nach dem Tod des Teenagers führt Thailand wieder einmal die Debatte, welche Art von Tourismus in dem Land erwünscht ist. Thailand hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um den Ruf des Sündenpfuhls loszuwerden. Lange war das Land berüchtigt für den Sextourismus, der mit den amerikanischen Soldaten während des Vietnamkriegs seinen Anfang nahm. Dabei ist Prostitution im Land illegal.Seit Jahren hebt die Tourismusbehörde Thailands die weissen Strände, die Wellness-Oasen, die Spitzenrestaurants oder den Gesundheitstourismus in exzellenten Spitälern hervor. Den Ruf des Sündenpfuhls ist das Land dennoch nie ganz losgeworden.Das hat auch damit zu tun, dass das Rotlichtmilieu in den Grossstädten Bangkok und Pattaya toleriert wird. Die entsprechenden Bars sind voll mit jungen Frauen, die sich Drinks ausgeben lassen und nach Freiern suchen. Die meisten von ihnen stammen aus ärmeren, ländlichen Regionen in Thailand, Kambodscha oder Myanmar und sind auf Arbeitssuche in die Grossstädte gekommen. Die Massagesalons mit leicht bekleideten Frauen sind in Bangkoks Zentrum fast überall zu finden. Die Polizei unternimmt kaum je etwas gegen diese Etablissements. Sie dürfte eher von ihnen profitieren.Neue Visa-RegelnBesonders Pattaya ist berüchtigt für Sextourismus. Die Stadt liegt zwei Stunden von Bangkok entfernt am Strand und war schon immer Ziel von Touristen aus aller Welt. Heute will Pattaya eher Reiseziel für Familien sein oder Ruhestandsdomizil für europäische Rentner – es gibt Altersheime für Expats und Festivals für Kulturinteressierte. Allerdings häufen sich besonders in Pattaya die Vorfälle mit ausfälligen Touristen.Die thailändische Regierung hat kürzlich die Visa-Regeln für Touristen verschärft. Diese waren erst nach der Covid-Pandemie gelockert worden, um den für Thailand überlebenswichtigen Tourismus wieder anzukurbeln.Der beschuldigte Australier soll sich bereits acht Monate in Thailand aufgehalten haben. Er kam mit einem Touristenvisum, das er später verlängerte. Die Polizei verhaftete ihn am Flughafen, bevor er das Land verlassen konnte.Passend zum Artikel