Der Grad der Zufriedenheit hängt von den Erwartungen ab, die man hatte. Das gilt auch für die österreichischen Fußballer bei dieser Weltmeisterschaft. Ein 3:1-Sieg gegen Jordanien war zu sehen, eine ordentliche, wenngleich aussichtslose Vorstellung gegen Titelverteidiger Argentinien (0:2) und der Wahnsinn der finalen Minuten beim 3:3 gegen Algerien, der immerhin das gewünschte Resultat brachte: Einzug in die K.-o.-Runde. Dass dort ein extrem schwieriges Spiel gegen Europameister Spanien bevorstünde, in dem Österreich an seine Grenzen kommen könnte, war Teil der Erwartungen. Und wenn man nun feststellt, dass es genau so gekommen ist, wie es alle erwartet hatten: Passt doch! Oder nicht?3:0 (1:0) hieß es am Ende für Spanien in diesem Sechzehntelfinale. Ein Ergebnis, das so eindeutig dasteht, wie diese Partie gewesen ist. Und das eine Realität spiegelt, die der ÖFB-Stürmer Michael Gregoritsch so zusammenfasste: „Wir haben erreicht, was eigentlich jeder von uns erwartet hat, und trotzdem tut es dann sehr weh, weil wir gegen die Großen, Argentinien und Spanien, so weit weg sind, dass man sagen muss: Okay, man war im Endeffekt chancenlos. Das ist, glaube ich, sehr schade.“WM 2026:Der Favorit auf den Titel? Die Vororte von Paris99 Spieler bei dieser WM sind in Frankreich geboren worden – fast vier volle Kader. Viele von ihnen haben das Spiel auf den Bolzplätzen der Banlieues gelernt.Es hätte genügend inspirierende Beispiele gegeben, für Teams, die über sich hinauswachsen, einen Lauf hinlegen, die Fußballgötter auf ihrer Seite haben. Was etwa, wenn Gregoritsch bei einer Flanke in der 17. Minute etwas höher gesprungen wäre oder sich etwas cleverer im Luft-Zweikampf verhalten hätte? „Das muss perfekt sitzen“, sagte der Angreifer. Es saß aber eben nicht perfekt. Und daher schwingt nun in den Fazits eine Konjunktiv-Frage mit: Wenn dieser Spielzug das 1:0 gebracht hätte, wäre dann vielleicht doch mehr möglich gewesen für Österreich?Ein perfekter Spielzug, ein einzelner Kopfball, ein Distanzschuss, so etwas kann immer passieren im Fußball. Aber allein die Tatsache, dass von Anfang an die Hoffnungen der Österreicher auf einer Art Wunder lagen, zeigte: Es hatte in den ersten drei WM-Partien nicht sehr viel darauf hingedeutet, dass Österreich eine notwendige perfekte Partie gegen Spanien gelingen würde. Zu viel fehlte zu dem hohen Niveau aus den Jahren und Monaten vor dem Turnier.„Das Ausscheiden trifft mich hart, weil ich weiß, dass ich meine zweite Familie am Platz nicht mehr sehen werde“, sagt ArnautovicUnd jetzt sind sie raus, die Österreicher, weshalb es bereits nach dem Sechzehntelfinale ein Fazit braucht. Dass es bei 16 neu in den Turnierplan eingezogenen Sechzehntelfinals auch mal einen Sensationssieger geben wird, ist sehr wahrscheinlich. Da muss natürlich jeder Trainer seinen Spielern einbläuen: Warum sollten wir das nicht sein? „Das Österreich, das man bei der WM sehen könnte, gab’s noch nicht zu sehen. Wir haben noch nicht diesen Flow gekriegt“, hatte der deutsche Co-Trainer der Österreicher, Lars Kornetka, vor dem Spanien-Spiel im Kurier gesagt. Und damit gleichzeitig Kritik geübt – sowie ein paar Sehnsüchte ausgelöst.Die Realität sah dann am Donnerstag in Los Angeles so aus: 0:3 gegen Spanien, 5:23 Torschuss-Versuche, 0:10 Schüsse aufs Tor. Das ist das Österreich, das die Welt gesehen hat, und dieses Österreich musste Ralf Rangnick nun erklären. Erste Frage in der Pressekonferenz: Wie fällt die WM-Bilanz aus? Antwort des Trainers: „Wir wussten ja schon am Abend der Auslosung, dass wir die mit Abstand schwierigste Gruppe haben, von allen.“ Rangnick bezieht sich damit stets auf die Analyse eines Datendienstleisters, der die WM-Gruppe I mit Frankreich, Norwegen, Senegal und dem Irak offenbar leichter eingeschätzt hat. Korrekt war dennoch die Feststellung, dass Österreich ganz schön zu kämpfen hatte mit seinem WM-Weg, erst in der Gruppe gegen den Weltmeister, dann im ersten K.o.-Spiel gegen den Europameister.Wie fällt die Erklärung für das 0:3 aus? „Sie haben heute keinen einzigen leichten Fehler gemacht“, sagte Österreichs Trainer Ralf Rangnick nach dem WM-Aus der Österreicher gegen Spanien. Patrick T. Fallon / AFPDieses Duell mit Spanien, führte Rangnick aus, sei durch die komplizierte Ausgangslage in der Gruppenphase „nicht mal rechnerisch“ zu vermeiden gewesen. Dann erklärte der Fußballexperte noch, wie man dieses Spiel aus seiner Sicht zu bewerten habe: „Wer die Partie heute gesehen hat, live gesehen hat, nicht nur zu Hause am Fernseher … um es in der Tennissprache zu sagen: Es macht gegen sie keinen Sinn, auf unforced errors zu hoffen. Sie haben heute keinen einzigen leichten Fehler gemacht.“Um es weiterhin in der Tennissprache zu sagen: Klar in drei Sätzen verloren zu haben und dann zu sagen, man habe ja in jedem Satz jeweils mitgehalten – eine unbefriedigende Analyse ist das am Ende dennoch. Spanien jedenfalls sagte über das Spiel in der Zusammenfassung: Pflicht erfüllt.Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA:Spielplan der Fußball-WM 2026: Alle Gruppen, Spiele und TermineBei der Fußball-WM 2026 läuft die K.-o.-Runde. Deutschland scheidet im Sechzehntelfinale aus. Der Spielplan mit allen Spielen, Terminen und Gruppen.Die Qualifikation für die WM, das Erreichen der K.-o.-Runde, das sollte für das Fußballland Österreich angesichts des neuen Turnier-Formats der Standard sein. Darin liegt auch eine Hoffnung für die kommende Generation, die in die Fußstapfen jener von 2026 treten muss: Das 0:3 gegen Spanien markierte in gewisser Weise eine Zäsur im österreichischen Fußball. Der Rekordtorschütze Marko Arnautovic, 37, verkündete in Los Angeles seinen Rücktritt, mit Tränen in den Augen: „Das Ausscheiden trifft mich hart, weil ich weiß, dass ich meine zweite Familie am Platz nicht mehr sehen werde.“ Kapitän David Alaba, 34, ließ seinen Verbleib im Nationalteam vorerst offen.So konnte man mit Blick auf das reine Ergebnis dieser WM als Fazit ziehen: Passt schon für Österreich. Und passt auch nicht, wenn man diese Tränen sah und um Ralf Rangnicks Ehrgeiz weiß.