Tierschutzfall Ramiswil (SO): Nicht alle Hunde hätten getötet werden müssenAuf einem Hof schläferten die Behörden im November 122 Hunde ein. Die Halterin hatte ihre Tiere schwer vernachlässigt. Jetzt kommt eine externe Untersuchung zu dem Schluss, dass den Behörden das Risikobewusstsein fehlte.03.07.2026, 10.34 Uhr2 LeseminutenAuf diesem Hof in Ramiswil wurden verwahrloste Hunde, Pferde und Ziegen entdeckt.NZZDer Fall sorgte schweizweit für Empörung: Im vergangenen November entdeckte der Veterinärdienst auf einem Hof im Dorf Ramiswil im Kanton Solothurn stark verwahrloste Tiere. 122 Hunde, 43 Pferde und zwei Ziegen wurden beschlagnahmt. Wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes schläferten die Behörden alle Hunde, darunter auch Welpen, vor Ort ein. Die Pferde und Ziegen konnten an einem neuen Ort untergebracht werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gegen die offenbar überforderte 57-jährige Tierhalterin läuft eine Strafuntersuchung. Der Kanton Solothurn hat den Fall nach Fragen und Kritik von einer Anwaltskanzlei extern untersuchen lassen. Nun hat die Solothurner Regierungsrätin Sibylle Jeker (SVP) die Ergebnisse dieses Untersuchungsberichts vorgestellt.Der Bericht kommt zum Schluss, dass der Solothurner Veterinärdienst professionell gehandelt habe. Die Eskalation auf dem Hof sei nicht auf einen einzelnen Fehlentscheid oder ein punktuelles Versagen zurückzuführen. Allerdings hätten die Behörden zu viel Administration beim Vollzug, zu wenig Risikobewusstsein und zu viel Vertrauen in die Tierhalterin gehabt.21 Hunde hätten nicht eingeschläfert werden müssenLaut dem Bericht war es richtig, 99 der 122 Hunde einzuschläfern. Bei den übrigen 23 Hunden sei hingegen keine genügend differenzierte Triage vorgenommen worden. Zwei von ihnen hätten aufgrund ihres Gesundheitszustandes ebenfalls eingeschläfert werden müssen. Damit bleiben 21 Hunde, die nicht zwingend hätten getötet werden müssen.Der Fall sei ausserordentlich anspruchsvoll gewesen, so der Bericht. Einerseits wegen der vielen Tiere und den speziellen Anforderungen an die dort gehaltenen Herdenschutzhunde. Andererseits wegen der Tierhalterin, die es immer wieder verstanden habe, den Veterinärdienst zu täuschen.Der Bericht führt aber aus, dass insbesondere bei den Hunden die rassenspezifischen Risiken lange unterschätzt worden seien. Ausserdem hätten sich die Behörden zu lange auf formale Daten und Zusicherungen der Tierhalterinnen gestützt, obwohl erkennbar war, dass diese nicht der Realität entsprachen.Regierungsrätin Sibylle Jeker hält fest: «Ein Fall Ramiswil darf nie wieder vorkommen.» Der Kanton Solothurn will Massnahmen ergreifen, damit solche Situationen künftig früher erkannt werden. Unter anderem soll der Veterinärdienst gestärkt werden. In einem Jahr will der Kanton eine erste Bilanz ziehen.Passend zum Artikel