PfadnavigationHomeSportFußballWMPortugal„Er leuchtet auf uns herab“ – Ronaldos bewegende Geste nach dem TriumphStand: 09:51 UhrLesedauer: 4 MinutenChancen-Spektakel, Ronaldos Premierentor und eine wahnsinnige Schlussphase: In einer begeisternden Partie schockt Portugal Kroatien in der Nachspielzeit – doch damit ist das Drama noch lange nicht vorbei. Die Highlights im Video.Portugal zieht ins WM-Achtelfinale ein. Nach dem Schlusspfiff kommt es zu bewegenden Szenen. Cristiano Ronaldo würdigte den vor einem Jahr ums Leben gekommenen Mitspieler Diogo Jota.Cristiano Ronaldo streifte sich ein Portugal-Trikot mit der Nummer 21 über und hob den Finger gen Himmel. Mit der bewegenden Geste, die an den vor einem Jahr tödlich verunglückten Diogo Jota erinnerte, zeigte der Maestro nach dem Einzug ins WM-Achtelfinale durch das 2:1 (0:0) im dramatischen K.-o.-Duell gegen Kroatien auch menschliche Größe – und musste sich ein paar Tränen wegwischen.„Er ist dort oben und leuchtet auf uns herab“, erinnerte Ronaldo an den am 3. Juli 2025 im Alter von nur 29 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Jota. „Es ist ein besonderer Moment. Wir alle hatten das Gefühl, dass er bei uns ist, und es machte heute einfach Sinn, zu gewinnen, um ihm auf die beste Art und Weise zu gedenken.“Vor 43.036 Zuschauern in Toronto trug der 41 Jahre alte Superstar einen entscheidenden Teil zum emotionalen Sieg bei. Nachdem Ivan Perisic (53.) die Kroaten in Führung gebracht hatte, verwandelte Ronaldo einen Foulelfmeter (68.) zum Ausgleich. „Wir sind nach dem Gegentor ein bisschen in Stress und Panik geraten. Aber dann gab es den emotionalen Durchbruch, als wir den Elfmeter verwandelt haben“, erzählte Ronaldo.Was für ein Achtelfinale – Portugal jetzt gegen SpanienGonçalo Ramos (90.+4) entschied den am Ende atemberaubenden Schlagabtausch mit zwei Aluminiumtreffern und drei Abseitstoren – das letzte davon in der 13. Minute der Nachspielzeit zum vermeintlichen Ausgleich der Kroaten – zugunsten Portugals.Zuvor hatte Portugals Trainer Roberto Martinez seinen Kapitän in der 81. Minute beim Stand von 1:1 überraschend ausgewechselt – augenscheinlich sehr zum Ärger des Superstars.Lesen Sie auchRonaldo konnte die Entscheidung offenbar nicht fassen, hatte wohl selbst nicht damit gerechnet. Als er für Mittelfeldspieler Ruben Neves vom Platz musste, war er davon wenig begeistert, schüttelte mehrfach ungläubig den Kopf. Er würdigte seinen Trainer keines Blickes, klatschte nur kühl mit ihm ab. Ronaldo verzog mehrfach die Miene, es schien in ihm zu brodeln. Aber: Er explodierte nicht. Dabei helfen ihm seine Teamkollegen, die sofort zu ihm kamen, mit ihm abklatschten und ihn aufmunterten.Für Ronaldo geht die WM im Achtelfinale gegen Europameister Spanien am Montag (21.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) weiter. „Um einen Wettbewerb dieser Größenordnung zu gewinnen, müssen wir leiden können. Gegen Kroatien war es so weit“, sagte der frühere Weltfußballer und kündigte für das nächste K.-o.-Spiel eine weitere Steigerung an: „Wir wissen, dass Spanien zu den Favoriten auf den WM-Titel zählt. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir werden ab sofort noch einen Gang zulegen. Wir sind bereit.“ Bei der Jagd nach dem großen Gold-Traum kann sich der Rekordmann, der in der Fußballhistorie weltweit die meisten Länderspiele absolviert, die meisten Länderspielsiege gefeiert und die meisten Länderspieltore erzielt hat, der Unterstützung seiner Teamkollegen sicher sein. „Wir wollen Cristiano diesen Pokal unbedingt überreichen – das ist das Einzige, was ihm noch fehlt“, sagte Offensivspieler Rafael Leão und lobte den Oldie für dessen Einsatz und Nervenstärke: „Während der Vorbereitung hat er immer alles gegeben, damit er in guter Verfassung ist. Genau das hat er heute im entscheidenden Moment bewiesen. Er versagt nicht. Selbst angesichts vieler Kritik.“Superstars unter sich – Trost für Modric von RonaldoRonaldo dürfte diesen denkwürdigen Abend also in guter Erinnerung behalten, blieb ihm doch der letzte Tanz auf der großen Fußballbühne vorerst erspart. Dafür beendete er mit Portugal die 2006 beim Sommermärchen in Deutschland begonnene WM-Reise von Luka Modric auf brutale Weise – und spendete seinem ehemaligen Weggefährten anschließend Trost. Beide spielten einst sechs Jahre lang gemeinsam für Real Madrid. „Ich habe mich von ihm verabschiedet. Wir sind fast gleich alt. Er ist eine Fußball-Legende. Ich habe großen Respekt vor Modric für das, was er im Fußball geleistet hat“, sagte Ronaldo. Auch Kroatiens Trainer Zlatko Dalic fühlte mit Modric: „Es war wahrscheinlich seine letzte WM. Es tut mir leid, dass sie so traurig zu Ende gegangen ist.“Der 40 Jahre alte Modric wollte sich über seine sportliche Zukunft unter dem Eindruck des gerade Erlebten nicht äußern. „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für mich, darüber zu reden“, beschied er. Zu sehr hatte ihm das vorzeitige WM-Aus zugesetzt: „Wir haben viele Chancen vergeben. Und dann sind Dinge passiert, die ich kaum fassen kann.“Die Portugiesen hingegen feierten ausgelassen den Sieg, bei dem nach Ansicht von Leão auch höhere Mächte im Spiel waren: „Wir hatten einen entscheidenden zusätzlichen Faktor, nämlich Diogo Jota, der immer bei uns ist. Diego Jota, da bin ich mir sicher, hat uns bis zur letzten Minute geholfen.“pk/dpa