PfadnavigationHomeSportFußballWMPortugals großes Problem„Es ist offensichtlich, dass einige Spieler Cristiano Ronaldo nicht im Team haben wollen“Stand: 12:27 UhrLesedauer: 4 MinutenChancen-Spektakel, Ronaldos Premierentor und eine wahnsinnige Schlussphase: In einer begeisternden Partie schockt Portugal Kroatien in der Nachspielzeit – doch damit ist das Drama noch lange nicht vorbei. Die Highlights im Video.Die Debatte darüber, ob der Superstar eher ein belebendes Element oder ein Bremsklotz im Spiel ist, hält auch bei dieser WM an. Selbst unter den Portugals Fußballikonen gibt es unterschiedliche Urteile über Cristiano Ronaldo.Es gibt kritische Stimmen, nach denen die Frage nach der Zeit danach längst beantwortet ist. Die Zeit nach Cristiano Ronaldo ist damit gemeint. Und diese Stimmen verweisen auf zwei Ergebnisse: 9:0 und 9:1. Es sind die beiden höchsten Siege in Portugals Länderspielgeschichte. Aufgestellt im September 2023 und im November 2025 – ohne Cristiano Ronaldo.Zugegeben, die Gegner Luxemburg und Armenien waren alles andere als das Premiumlevel weltweiter Fußballkunst. Die Spiele beweisen wenig, füttern aber die Debatte, was diese hochveranlagte portugiesische Mannschaft ohne ihren mittlerweile 41 Jahre alten Weltstar leisten könnte.Ronaldo wird keineswegs durchgeschleppt, doch die Frage, ob sich Spieler wie Bruno Fernandes, Vitinha oder Rafael Leão in der Nationalmannschaft frei zu ihrer Bestform entfalten können, ist schwer zu beantworten.Luis Figo versteht Kritik an Cristiano Ronaldo nicht.Unbestreitbar ist, dass die Spieler um Ronaldo in ihren Klubs ganz andere, tragendere Rollen spielen als in Anwesenheit von „CR7“. Torwart Diogo Costa ist Kapitän des FC Porto, Fernandes trägt die Armbinde bei Manchester United. Vitinha gewann die Champions League zweimal mit Paris, Rúben Dias einmal mit Manchester City. Bei der Nationalmannschaft gehören sie in der Wahrnehmung nur zu den zehn anderen neben Ronaldo.„Es ist offensichtlich, dass einige Spieler Cristiano Ronaldo nicht im Team haben wollen. Vielleicht denken sie, dass er sie bremst“, sagte Portugals Ikone Luis Figo. Ronaldo habe Portugal über Jahre auf Schultern getragen und verdiene Respekt. „Als Cristiano zum ersten Mal in die Nationalmannschaft berufen wurde, respektierte er alle älteren Spieler. Bei den jetzigen Jungs ist das anders. Aber was haben die erreicht? Nichts.“Lesen Sie auchLaut Figo ist sein ehemaliger Mitspieler der einzige Grund, warum Portugal bei dieser WM den Titel holen könnte. Die These, dass die aktuelle Generation gerade wegen Ronaldo noch nichts gewonnen hat, stellt er nicht auf.Ronaldo raus, Ramos trifftDie Qualifikation für das Achtelfinale am Montag (21.00 Uhr, im Live-Ticker bei WELT und bei MagentaTV und ZDF) gegen Europameister Spanien gelang durch ein 2:1 gegen Kroatien. Wobei das entscheidende Tor erst fiel, als Ronaldo, der zuvor den Ausgleich per Elfmeter erzielt hatte, bereits ausgewechselt worden war.Das Tor schoss ausgerechnet Goncalo Ramos. Jener Ramos hatte Portugal schon einmal recht euphorisch in eine Post-Ronaldo-Ära blicken lassen. Als der Superstar bei der WM 2022 schwächelte, ließ ihn der damalige Trainer Fernando Santos im Achtelfinale gegen die Schweiz lange auf der Bank schmoren. Portugal gewann 6:1, Ramos traf dreimal. Es war eine befreite, eine entfesselte Darbietung.Santos’ Nachfolger Roberto Martinez setzt auf Ronaldo und bemühte in mehreren Interviews vor der WM immer wieder dieselbe Statistik. 25 Tore in 31 Spielen. Das war Ronaldos Bilanz unter Martinez’ Leitung bis zum Turnier in Nordamerika. „Wir reden hier vom größten Spieler der Geschichte“, empörte sich Martinez. „Er ist hier, weil er immer noch auf dem höchsten Level abliefert und nicht, weil er in der Vergangenheit viel erreicht hat.“Dennoch machten nach dem schwachen 1:1 gegen die DR Kongo im ersten WM-Spiel Gerüchte die Runde, in der Mannschaft stimme die Harmonie nicht – wegen Ronaldo. „Wir haben in der Kabine eine exzellente emotionale Balance. Jeder ist sich seiner Verantwortung bewusst und hat sich hohen Standards verschrieben“, sagte Martinez. Worte, die eine gewisse Interpretation zulassen.Während des Turniers traf Ronaldo erstmals in der K.-o.-Phase einer WM und stellte mit seinen nun elf Toren einen portugiesischen Rekord auf. Damit überholte er Eusebio, der 1966 WM-Dritter geworden war.Einen Vergleich der beiden Idole verbittet sich António Simões, der damals zur Mannschaft gehörte. „Er spielt nicht, um zu gewinnen. Er spielt, um der Hauptdarsteller zu sein“, sagte der 82-Jährige über Ronaldo. „Verstehen Sie, dass das das Gegenteil von Eusebio ist? Ich habe nichts gegen ihn, aber man sollte die Dinge beim Namen nennen.“jb/dpa