Manchmal braucht es eine schmerzhafte Niederlage, um die Wirklichkeit wieder klar zu erkennen. Das Aus gegen Paraguay im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft war genau so ein Moment. Denn spätestens in den Tagen danach wurde offensichtlich: Julian Nagelsmann ist nicht an Kleinigkeiten gescheitert. Er ist an den eigenen Ansprüchen und am Anspruch des DFB gescheitert. Die Trennung vom Bundestrainer, die laut verschiedenen Medienberichten seit Freitag feststehen soll, ist deshalb folgerichtig – und nach allem, was inzwischen bekannt geworden ist, alternativlos.Rückblickend drängt sich sogar die Frage auf, ob Julian Nagelsmann nicht schon viel länger von einem Bild profitiert hat, das mit der Realität nur noch wenig zu tun hatte.
Schon bei der Heim-EM hat nicht alles gepasst
Offensichtlich haben sich viele von der Heim-EM 2024 blenden lassen – Verantwortliche beim DFB und Fans. Deutschland spielte ein ordentliches Turnier, schied unglücklich gegen Spanien aus und wurde anschließend fast schon zum heimlichen Europameister verklärt. Doch schon damals war nicht alles gut. Da war das mühsame 1:1 gegen die Schweiz in der Vorrunde. Da war das glückliche 2:0 gegen Dänemark im Achtelfinale, als ein umstrittener Elfmeter die deutsche Mannschaft überhaupt erst auf die Siegerstraße brachte.Die Europameisterschaft im eigenen Land wirkte wie ein Schritt nach vorne, aber sie erbrachte rückblickend nicht den Beweis dafür, dass Deutschland unter Nagelsmann bereits wieder zur Weltspitze gehört. Der rhetorisch gewandte Oberbayer hatte mit seinen markigen Worten, seiner Botschaft an die deutsche Gesellschaft und seinen Tränen nach der Niederlage gegen Spanien dieses Gefühl bekräftigt.











