Willy Brandt, der Vater der Neuen Ostpolitik um 1970, hat einen nicht ganz ironiefreien Spruch hinterlassen: „Nicht jeder, der auf eine Erbschaft scharf ist, kommt auf seine Kosten.“ Er konnte nicht wissen, dass im Jahr 1991 der Bildnachlass des aufgelösten Zentrums für Kunstausstellungen der DDR (ZfK) an eine Institution des Bundes tief im Südwesten gehen würde, die auf dieses Erbe gar nicht erpicht war.

Die DDR und ihre Kunst. Das war eine sehr spezielle Beziehung. Und sie ist vor der Zeitgeschichte zu bewerten. Allerdings nicht mit ein paar Sätzen zu erklären. Zu ambivalent. Zu kompliziert. Zu verstrickt. Die meisten Künstlerinnen und Künstler des kleinen Staates zwischen Kap Arkona und Fichtelberg lebten und arbeiteten ja zunächst engagiert für die Utopie von einer besseren, gerechteren Gesellschaft. Der Arbeiter-und-Bauern-Staat förderte Kunst und Kultur intensiv, stellte jedoch zugleich hohe ideologische Forderungen. Kunst hatte zu dienen als Instrument der sozialistischen Erziehung und Bildung. Sie entstand quasi zwischen Doktrin und Zensur; später, nach der stalinistischen Ära, wurde sie stillschweigend geduldet und etwas liberalisiert.

Pop Art in der DDR: Hans Ticha: „Schlagersängerin“, 1979, Farblithografie auf Papier