Vermutlich würde man bei dem Versuch, alle Toten zusammenzuzählen, die im Krimi-Genre durch die Hand von Romanautoren und Filmregisseuren einem Mörder beziehungsweise und sehr viel seltener einer Mörderin zum Opfer fielen, leicht auf die Einwohnerzahl eines mittelgroßen Landes kommen. Die Todsünde des Mordes erfreut sich, als ästhetische Fiktion aufbereitet, jedenfalls in unseren westlichen Gesellschaften einer ungebrochenen Beliebtheit. Und die Schizophrenie, wonach wir das als fiktionales Surrogat geradezu suchen, was real zu Recht mit dem höchsten Bannfluch belegt wird, gehört zu den Konstanten der menschlichen Psyche: Demnach können wir den filmischen oder literarischen Schrecken gerade deswegen genießen, weil er in der (vermeintlichen) Sicherheit der eigenen vier Wände oder jedenfalls in einer Welt stattfindet, die als fiktives Konstrukt klar und eindeutig von der Wirklichkeit getrennt ist.