Weil Europa abkühlt, ist die Hitzewelle vergessen. Diskurs über die Klimakrise muss aber immer stattfinden – auch damit man ihre Ursache bekämpfen kann.

F ür die nächsten Tage sind die Temperaturprognosen wieder ins Aushaltbare abgesunken. Das löst bei uns, die sich nicht nur mit beispiellosen Hitzewellen, sondern ganzjährig mit dem Klima beschäftigen, paradoxerweise Stress aus. Denn jetzt sehen wir, wie sich das Zeitfenster schließt, in dem endlich gesamtgesellschaftlich über Klimawandel und -folgen gesprochen wird. Passieren tut das schließlich mehr oder weniger jedes Jahr.

Im Sommer reden wir darüber: über die Hitzetoten, die nicht hätten sein müssen, die dramatischen Folgen von ein paar Grad mehr und wie wenig wir auf all das vorbereitet sind. Dann neigt sich der Sommer dem Ende, das Thema Erderhitzung verschwindet wieder für mehrere Monate aus der „Tagesschau“, von Titelseiten und aus dem Bewusstsein der breiten Bevölkerung.

Diejenigen, die im Bereich Klimakommunikation arbeiten, also auch wir Klimajournalist:innen, werden nun wieder zu Bittsteller:innen, die mit aller Kraft versuchen, davon zu überzeugen, dass auch ein milder Oktober ein Warnzeichen sein kann. Davon, dass es kein Zufall ist, dass der See neben deinem Haus seit zehn Jahren im Winter nicht mehr zufriert.