Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Hitze jedes ausbalancierte Nachdenken über den Klimawandel praktisch schon im Mai unmöglich macht. Das war früher definitiv anders. Früher mussten wir bis tief in den Sommer warten, bis die Hitzewellen zuerst die Klimaschützer auf den Plan riefen und kurz danach die Verharmloser der Krise die dicke Klimahysterie-Keule auspackten.Unter der Hitzekuppel dieser Tage passiert nun etwas wirklich Sonderbares: Die Hitze kommt, und nicht die Alarmisten, sondern die Antihysteriker blühen auf. So, als wäre die Hitze mit ihnen heimlich im Bunde. Genau genommen liegt das aber weniger an den Außentemperaturen als vielmehr an der seit Tagen schwelenden hysterischen Weltuntergangsdebatte, für die sich außer ihnen kaum jemand erwärmen kann. Anlass ist ein vor Wochen veröffentlichter Aufsatz von Klimaforschern, die – neben Tausenden anderen Experten – dem Weltklimarat IPCC zuarbeiten.Ihr wichtigster Befund: Das Worst-Case-Szenario, abgekürzt RCP8.5, sei nun angesichts der klimapolitischen Weichenstellungen der letzten Jahrzehnte und der Realitäten der globalen Energiewende nicht mehr plausibel und sollte deshalb in den Projektionen des IPCC für dessen siebten Sachstandsbericht nicht mehr Bestandteil der Klimamodelle sein. Der Weltuntergang, jubilierten die Antihysteriker ohne nachzudenken, sei offiziell abgeblasen, der Klimawandel sowieso.Die kurze Bundestagsdebatte, die daraufhin folgte, wurde in den wahrheitswidrigen Auswüchsen solcher Deutungen nur von den Einlassungen übertroffen, die anschließend noch auf den einschlägigen sozialen Plattformen folgten. Dass der Klimarat klar dementierte, die Klimaforscher keine Handbreit von den (sich weiter zuspitzenden) Risiken abrücken, verraucht währenddessen unergründet in der Maihitze.Das ist die Tragik klimapolitischer Hitzepathologien: Ab einer bestimmten Schwelle bröckelt die Blut-Hirn-Schranke, und die Phantasien gehen fließend in Halluzinationen über. Wer will die daraus abgeleiteten Verschwörungen noch kontrollieren, wenn es künftig noch heißer wird? Vielleicht war es das, was das Dutzend ehemaliger Regierungschefs und Minister beschäftigte, als sie neulich in einer unabhängigen Kommission der Weltgesundheitsorganisation vorschlugen, den globalen Klimawandel zur gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite zu erklären. Das einzig Sinnvolle in dieser Lage ist: dringend abkühlen.