Die Geschichte schlug am Mittwoch hohe Wellen. Hauptstadtjournalistinnen und -journalisten des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) behaupteten in dem Polit-Podcast „Wenn Sie wüssten...wie die Regierung hinter den Kulissen tickt“, der einflussreiche Springer-Chef Mathias Döpfner habe Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im März dieses Jahres bei einem Vieraugengespräch im Kanzleramt dazu gedrängt, die Brandmauer seiner Partei zur AfD fallen zu lassen.Angeblicher Grund für Döpfners versuchte Einflussnahme auf die Arbeit der Regierung: Der Medienmanager soll unzufrieden mit dem Reformtempo von Schwarz-Rot sein. Die strikte Brandmauer zur AfD verunmögliche stabile Regierungsbildungen, blockiere das Land und bringe die stotternde Wirtschaft nicht in Schwung.Nach einem scharfen Dementi vonseiten des Springer-Verlages – zunächst am Mittwoch und nun auch am Donnerstag – rudern die Podcast-Macher etwas zurück. Unter der Rubrik „In eigener Sache“ und als „Klarstellung“ gekennzeichnet, versucht die RND-Chefredakteurin und Leiterin des Hauptstadtbüros, Eva Quadbeck, die Wogen zumindest teilweise zu glätten.Offensichtlich handelt es sich hier um eine lange geplante und gezielt betriebene Rufmordkampagne gegen Mathias Döpfner.Stellungnahme des Axel-Springer-Verlags„Wir zitieren aus einem Vier-Augen-Gespräch, von dem wir über Sekundärquellen erfahren haben. Wir haben in dem Podcast deutlich gemacht, dass wir uns auf Indizien und Sekundärquellen berufen“, heißt es in der Klarstellung unter anderem. Das RND spricht von einer „Verdachtsberichterstattung“, hält aber an der Grundthese fest, wonach der mächtige Medienmanager Einfluss auf die politische Arbeit von Bundeskanzler Merz zu nehmen versuche – unter anderem in der Frage, wie mit der AfD umzugehen sei. Zeitlich falsch eingeordnet Das RND sieht sich offenkundig durch eine weitere Stellungnahme von Axel Springer von diesem Donnerstag zu dieser Klarstellung genötigt. Über den X-Account des Medienkonzerns betont Axel Springer abermals, dass es dieses angebliche Gespräch zwischen Mathias Döpfner und Bundeskanzler Friedrich Merz nie gegeben habe. Entsprechende Gerüchte über eine angebliche Drohung des Medienmanagers in Richtung Friedrich Merz („Das werden Sie bereuen!“) seien bereits Ende 2025 in der aufgeregten Berliner Politblase kursiert. Springer schreibt explizit von einer „Fake-Geschichte“. Als Grundlage für den neuerlichen Springer-Post dient der Auszug aus einer SMS eines ZDF-Journalisten an Mathias Döpfner von Ende 2025.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. „Wir haben ein Gespräch zwischen Döpfner und Merz zeitlich falsch zugeordnet. Wir können nicht ausschließen, dass eine unserer Quellen auf denselben Ursprung zurückzuführen ist, aus dem sich auch die SMS vom November an Herrn Döpfner speist“, schreibt nun dazu das RND. Die Podcast-Macher halten aber am Kern ihrer Geschichte fest: Döpfner soll versucht haben, Merz in Sachen AfD zu beeinflussen.Der Podcast des RND hatte am Mittwoch für einige Aufregung gesorgt. Die Macher sprachen darin von einem Gespräch zwischen Döpfner und Merz im Kanzleramt, das angeblich im März 2026 stattgefunden haben soll. Döpfner soll Merz dort dazu aufgefordert haben, so heißt es im RND-Podcast, sich für eine Kooperation mit der AfD zu öffnen. Die Polit-Journalistinnen und -Journalisten zitieren dann Merz aus dem Gespräch sehr konkret. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einer Pressekonferenz © dpa/Michael Kappeler „Das wird nicht passieren“, soll der Kanzler Döpfner unmissverständlich klar gemacht haben. „Nur über meine Leiche.“ Nachdem der Springer-Chef nicht locker gelassen habe, sei die Stimmung gekippt. „Hiermit ist unser Gespräch beendet“ – mit diesen Worten soll der CDU-Chef den Medienmanager unsanft aus seinem Büro bugsiert haben. Worauf der 63-jährige Springer-Chef unmissverständlich gedroht habe: „Das werden Sie noch bereuen!“ Worte, die angeblich bereits – nach Darstellung von Springer – Ende 2025 durch ein Gerücht in Umlauf gebracht worden waren.Auf eine Anfrage des Tagesspiegels hatte der Springer-Konzern bereits am Mittwoch auf eine Stellungnahme des Axel-Springer-Verlags, die über die Plattform X veröffentlicht wurde, verwiesen.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Die im Podcast getätigte Behauptung, Döpfner habe Merz zu einer Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt, sei „eine glatte Lüge“. Inhalt und Verlauf des Gespräches seien „frei erfunden“, hieß es bereits am Mittwoch. Axel Springer war zum Schluss gekommen: „Offensichtlich handelt es sich hier um eine lange geplante und gezielt betriebene Rufmordkampagne gegen Mathias Döpfner.“Hören Sie zum Thema jetzt auch den neuen Tagesspiegel Podcast „Im Osten“. Für die korrekte Darstellung aktivieren Sie bitte „externe Inhalte“. Sie können den Podcast auch auf Spotify, Apple Podcasts oder der Podcast-Plattform Ihrer Wahl hören.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Auch die Bundesregierung dementiert die RND-Behauptung inzwischen als „absurde Gerüchte“. Zunächst hatte sich Regierungssprecher Stefan Kornelius gegenüber dem RND noch bedeckt gehalten, wollte keine konkreten Aussagen tätigen. Unabhängig davon, ob das Gespräch stattgefunden habe oder nicht, „wir können den Termin weder bestätigen noch dementieren.“Ich werde, auch wenn ich mittlerweile sogar aus einzelnen Verlagshäusern dazu aufgefordert werde, eine andere Mehrheit im Deutschen Bundestag nicht suchen.Friedrich Merz (CDU), BundeskanzlerDass sich Merz offenbar von Medienhäusern dazu gedrängt sieht, seine Haltung gegenüber der AfD zu überdenken, hatte der 70-Jährige im März öffentlich deutlich gemacht. Einen Tag nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg, wo die CDU knapp gegen die Grünen unterlegen war, ging er am 9. März bei einer Pressekonferenz auch auf die AfD ein.„Erlauben Sie mir, den Hinweis zu geben“, sagte Merz: „Ich werde, auch wenn ich mittlerweile sogar aus einzelnen Verlagshäusern dazu aufgefordert werde, eine andere Mehrheit im Deutschen Bundestag nicht suchen. Ich werde es nicht tun. Eine Zusammenarbeit mit der AfD kommt in Baden-Württemberg so wenig infrage wie in Berlin.“ Dann fügte Merz hinzu: „Und all diese Avancen können sich diese Damen und Herren sparen. Wir werden mit dieser Partei nicht zusammenarbeiten. Punkt.“Gut möglich, dass die Brandmauer-Debatte bald schon neuen Schwung erhält. Sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch in Sachsen-Anhalt, wo im September Landtagswahlen anstehen, dürfte die AfD – Stand jetzt – stärkste Kraft werden. Regierungsbildungen an der AfD vorbei werden verkompliziert. Dann kommen Fragen rund um die Brandmauer und die Strategie im Umgang mit der AfD von Neuem auf.
Brandmauer-Debatte: Springer dementiert angebliches Treffen von Döpfner und Merz erneut scharf
Das RND behauptet, Springer-Vorstandschef Döpfner habe Kanzler Merz dazu gedrängt, die Brandmauer zur AfD einzureißen. Nach einem scharfen Dementi von Springer reagieren die Podcast-Macher nun mit einer Klarstellung.







