PfadnavigationHomeWissenschaftNaturphänomenForscher entschlüsseln das Geheimnis der Qualle, die sich in Minuten selbst heiltStand: 15:18 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Clytia-Medusa ist so groß wie eine MünzeQuelle: Tsuyoshi Momose/EurekalertSie wirkt unscheinbar, weist aber eine bemerkenswerte Fähigkeit auf: Eine Mittelmeer-Qualle kann Verletzungen binnen Minuten selbst heilen – ohne sichtbare Narben. Forscher entdecken Parallelen zum Menschen.Sie wabern seelenruhig durchs Wasser und sehen dabei elegant aus: Quallen. Der Anblick von Medusen ist besonders. Die Tiere besitzen zudem eine außergewöhnliche Eigenschaft: Sie können innerhalb weniger Minuten Verletzungen ihres Körpers heilen. Das Marine Biological Laboratory (MBL) in Massachusetts, USA, widmete sich kürzlich der Erforschung dieser besonderen Fähigkeit. Das Ergebnis ihrer Analyse veröffentlichten die Forscher in dem Fachmagazin „Molecular Biology of the Cell“. Festgestellt haben die Wissenschaftler die Fähigkeit an der Clytia hemisphaerica. Die winzige, etwa einen Zentimeter große Qualle lebt im Mittelmeer und Nordostatlantik, der als eines der produktivsten und fischreichsten Meeresgebiete der Erde gilt.Lesen Sie auchAnders als andere Lebewesen können Clytia-Medusen eigene Verletzungen so schnell reparieren, dass man beobachten kann, wie kleine Wunden innerhalb von Minuten verheilen. Größere Wunden schließen sich in weniger als einer Stunde. Im Gegensatz zum Menschen bildet sich keinerlei Narbengewebe. „Die Heilung bei der Qualle ähnelt eher der embryonalen Heilung, die narbenfrei verläuft“, wird Jocelyn Malamy in einer Mitteilung zitiert. Malamy beobachtete vor zehn Jahren die Clytia zum ersten Mal in ihrem meeresbiologischen Labor.Im Gegensatz zu Säugetieren verfügt die Qualle über kein Immunsystem, das Entzündungen im Gewebe drumherum auslöst – was beim Menschen hingegen vollkommen normal ist. Zieht sich ein Mensch eine Wunde an der Haut zu, entsteht in den ersten Tagen der Wundheilung eine leichte Entzündung an der betroffenen Stelle, um schädliche Bakterien hinauszuschwemmen. Dieser Vorgang zählt zu den natürlichen und für die Wundheilung hilfreichen Mechanismen.Trotzdem erkennen die Forscher Ähnlichkeiten zur menschlichen Wundheilung. „Viele der Prozesse, die wir bei der Wundheilung von Clytia beobachten, ähneln sehr dem, was man in allen anderen Systemen, einschließlich Säugetiersystemen, sieht“, erklärt Malamy. „Wenn man diese Epithelzellen betrachtet, würde man nicht vermuten, dass es sich um eine Qualle handelt. Es könnte jede Art von Plattenepithelzellschicht sein, auch von anderen Tieren.“Lesen Sie auchEpithelzellen bedecken alle Körperoberflächen. Sie bilden die Haut und kleiden die Innenseiten von Organen, etwa des Darms, aus. Besonders die Zellen der Haut sind täglich verschiedensten Verletzungsgefahren ausgesetzt. Lesen Sie auchDoch wie heilen Quallen innerhalb von Minuten narbenfrei ihre Wunden? Zuerst bilden sich Lamellipodien. Malamy beschreibt sie als „fußartige Fühler“. Diese Fühler wachsen aus den Zellen am Wundrand heraus. Dann bewegen sie sich fluid um die Wunde herum. Sie kriechen vor allem über die Basalmembran, „eine Proteinschicht, die sich unter den Epithelzellen befindet“, erklärt sie. Während die Fühler die verletzte Stelle entlangkriechen, produzieren sie neue Zellen, die sie darüber stülpen, um sie zu verschließen. In ihrer neuen Studie zeigt Malamy, dass sich diese Lamellipodien sogar in winzigen Wunden, die nur eine einzige Zelle betreffen, bilden. Ist die Wunde zu groß, um lediglich die neuen Zellen über den Riss zu dehnen, beginnt ein weiterer Mechanismus: Das gesamte Epithelgewebe „hebt sich an und beginnt zu wandern“. Stück für Stück nähern sich die Wundränder aneinander an. Nun können sich die neuen Zellen so weit dehnen, dass sie den Riss schließen.