Wer dieser Tage über den Strand von Binz oder Heringsdorf läuft, muss aufpassen, wohin er tritt. Im flachen Wasser und im Sand liegen sie wieder zu Hunderten: durchsichtige Scheiben, manche so groß wie ein Suppenteller.Die Ohrenqualle (Aurelia aurita) ist zurück, pünktlich wie jeden Sommer. Und mit ihr die immer gleiche Frage am Strand: Kann ich da noch baden gehen?

Eigentlich schwimmen sie gar nicht

Die kurze Antwort: ja. Die Ohrenqualle ist die häufigste Qualle der Ostsee und für Menschen ungefährlich. Ihre Nesselzellen sind zwar vorhanden, aber zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen.Dass plötzlich Tausende von ihnen in einer Bucht treiben, hat oft weniger mit Vermehrung zu tun als mit Wind. Quallen sind passive Drifter: Sie machen nur schwache Schwimmbewegungen und lassen sich ansonsten von der Strömung tragen.Drückt der Wind tagelang aus einer Richtung, schiebt er die Tiere in Bändern an die Küste. An einem Strand liegen dann Hunderte, in der Nachbarbucht fast keine. Die größten Teppiche treiben meist erst im Spätsommer an Land.

Die „Ohren“ sind keine Ohren

Ihren Namen verdankt die Qualle den vier ringförmigen Zeichnungen auf dem Schirm, die ein bisschen wie Ohren aussehen. Tatsächlich sind es ihre Geschlechtsorgane: rotviolett bei den Weibchen, weiß bis orange bei den Männchen.Bis zu 30 Zentimeter groß werden die Schirme. Und die Art ist erstaunlich zäh: Selbst den niedrigen Salzgehalt der Ostsee von gerade einmal sechs Promille steckt sie problemlos weg.