Bahn statt Auto: Eine Metro soll im Kanton Genf die ÖV-Nutzung ankurbelnQuer durch Genf ist eine Metrolinie geplant, das Projekt nimmt Form an. Doch die Finanzierungsfrage ist noch zu klären.Annegret Mathari, Genf02.07.2026, 05.29 Uhr3 LeseminutenEin Tunnel unter dem Genfersee soll die verschiedenen Quartiere des Stadtzentrums miteinander verbinden. Doch dieser Teil des Projekts ist umstritten.Denis Balibouse / ReutersEine automatische Bahn soll in etwa zwanzig Jahren die wichtigsten Wohn- und Arbeitsgebiete im Kanton Genf verbinden, die nicht schon von der S-Bahn Léman Express bedient werden. Laut Schätzungen werden etwa 160 000 Reisende pro Tag erwartet, bei einem möglichen Ausbau für bis zu 400 000 Personen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Projekt sieht vor, dass die geplante Linie Jura–Léman–Salève das französische Grenzgebiet Pays de Gex im Norden von Genf mit der französischen Region Saint-Julien südlich des Kantons verbindet, wobei 98 Prozent der Strecke im Kanton Genf liegen. Das Genfer Stadtzentrum soll mit einem Tunnel unter dem See verbunden werden.Beratungsgremium empfiehlt Verzicht auf SeetunnelDer Plan für die Metrolinie steht noch am Anfang, nächstes Jahr kommt das Projekt vor das Volk. Um sich die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern, hat der Kanton ein zivilgesellschaftliches Beratungsgremium ins Leben gerufen. Dieser Konsultativrat hat nun seine ersten Empfehlungen vorgelegt.Er schlägt unter anderem Anpassungen der Strecke vor. Insbesondere solle die Metrolinie über den Genfer Hauptbahnhof Cornavin führen. Auf den vom Kanton vorgesehenen Anschluss des Bahnhofs im Quartier Eaux-Vives und damit die Unterquerung des Sees will das Beratungsgremium dagegen verzichten. Zum einen, um dort das Grundwasser zu schützen, zum anderen aus Spargründen.Der Verzicht auf einen Anschluss des Quartiers Eaux-Vives würde Einsparungen von 1 bis 2 Milliarden Franken ermöglichen, wie die Co-Präsidentin des Gremiums, die frühere Staatsrätin Michèle Künzler (Grüne), betonte. Das ist kein zu vernachlässigendes Argument zu einem Zeitpunkt, in dem die Finanzierung durch den Bund nicht gesichert ist. Der Kanton hofft, dass der Bund die Hälfte der Kosten übernimmt, die auf 4 bis 6 Milliarden Franken geschätzt werden.«Eine langfristige strategische Investition»Das Gesamturteil des Beratungsgremiums: Die Verbindung Jura–Léman–Salève sei eine langfristige strategische Investition, welche die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Region dauerhaft stärke. Der Konsultativrat will den Fokus daher auf das Umsteigen vom Auto auf den öffentlichen Verkehr legen. Um die ständig verstopften Strassen von möglichst vielen Autos zu befreien, soll die Metro vor allem durch jene Regionen führen, in denen sich viele Arbeitsplätze befinden, die aber schlecht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen sind. Weiter schlägt das Gremium vor, zu prüfen, wie der Aushub wiederverwendet werden könnte, beispielsweise für den Bau von Bahnhöfen und die zugehörige Infrastruktur.Das Metroprojekt ist aus Sicht des Beratungsgremiums auch eine Gelegenheit, um die Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und französischen Partnern im Rahmen des Grossraums Genf zu stärken. Dadurch solle der neue Teil des regionalen Verkehrs zwischen dem Jurafuss und dem Salève mit der bestehenden Infrastruktur auf beiden Seiten der Landesgrenze verbunden werden.Bisher nicht berücksichtigtDie Metro Jura–Léman–Salève ist Teil der kantonalen Strategie für den Bahnverkehr 2025–2050. Angesichts seines gegenwärtigen Entwicklungsstands sei das Projekt nicht in der Bundesvorlage «Verkehr 45» berücksichtigt worden, sagt der Sprecher des Genfer Verkehrsdepartements, Sébastien Deshusses. «Verkehr 45» hat zum Ziel, die verschiedenen Projekte zum Ausbau von Bahn und Nationalstrassen bis 2045 aufeinander abzustimmen. Der Bundesrat hat im Juni das Vernehmlassungsverfahren zu dieser Vorlage eröffnet. Diese basiert auf den Eckwerten, die der Bundesrat Ende Januar anhand des Berichts des ETH-Professors Ulrich Weidmann festlegte.Laut Deshusses geht der Kanton Genf anhand seines Austauschs mit dem Bund davon aus, dass die Metrolinie in das Agglomerationsprojekt 2029 integriert wird. Der Kanton arbeite daher daran, eine Teilfinanzierung des Bundes für dieses Bahninfrastruktur-Projekt zu erhalten, das für den Agglomerationsverkehr essenziell sei.Der Kanton Genf war wie die gesamte Romandie mit dem Weidmann-Bericht und einigen Vorhaben des Bundes unzufrieden. So bedauerten die Westschweizer Kantone beispielsweise, dass die aus ihrer Sicht dringend notwendige durchgehende Verdoppelung der Bahnspur zwischen Lausanne und Genf vertagt wurde.Der zuständige Genfer Staatsrat Pierre Maudet kritisierte das Vorgehen des Bundes in einem Interview mit der «Tribune de Genève» – auch mit Blick auf die bereits überlastete S-Bahn Léman Express. Der Bundesrat sehe für den Grimseltunnel 1 Milliarde Franken vor, für 400 000 Reisende pro Jahr, während die Genfer Metro für 400 000 Reisende pro Tag geplant sei, bei Kosten von etwa 5 Milliarden Franken. Dies zeige, dass Entscheide getroffen werden müssten, sagte Maudet. Denn die überfüllten Züge hätten bereits Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und die Lebensqualität. Maudet wies auch darauf hin, dass die Genferseeregion 25 Prozent zum Schweizer Reichtum beitrage.Passend zum Artikel