PfadnavigationHomePolitikDeutschlandSchlechte MarktbedingungenKNDS bläst Börsengang kurzfristig ab – Grüne sprechen von „Desaster für die Bundesregierung“Stand: 00:47 UhrLesedauer: 2 MinutenMichael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, bei seinem Besuch bei KNDS in Görlitz. Daneben Bundestagsabgeordneter Jens Lehmann (CDU), Octavian Ursu (CDU), Oberbürgermeister von Görlitz, Florian Hohenwarter, CEO KNDS Deutschland, und Enrico Blocksdorf, Standortleiter von KNDSQuelle: Robert Michael/dpaZuvor wurde berichtet, dass die Eigentümer Probleme hätten, Investoren von der Bewertung des Panzerbauers zu überzeugen. Die Bundesregierung will trotzdem an ihrem geplanten Einstieg bei KNDS festhalten. Die Grünen sehen in dem Vorgang das Ergebnis „strategieloser Industriepolitik“.Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS geht vorerst doch nicht an die Börse. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktschwankungen werde der Börsengang erst bei Wiederkehr besserer Marktbedingungen fortgesetzt, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte die „Financial Times“ berichtet, dass die Eigentümer Probleme hätten, Investoren von der geplanten Bewertung von mehr als zwölf Milliarden Euro zu überzeugen.Die Aktien des Herstellers des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000 sollten im Rahmen einer Doppelnotierung in Frankfurt und Paris platziert werden, wie das Unternehmen Ende Juni mitgeteilt hatte. Es hätte einer der größten europäischen Börsengängen im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre werden können.Vorausgegangen war eine Einigung zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die künftige Eigentümerstruktur des Unternehmens. Danach erwerben die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils einen Anteil von 40 Prozent an KNDS. Die verbleibenden 20 Prozent sollten im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte erst am vergangenen Freitag grünes Licht für den Einstieg des Bundes bei dem Panzerbauer für bis zu 7,2 Milliarden Euro gegeben.Lesen Sie auchKNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter. Aktuell befindet sich KNDS im Besitz der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann sowie des französischen Staates. Der Konzern beschäftigt gut 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro, Hauptsitz ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München.Die Bundesregierung hält trotz der Verschiebung des KNDS-Börsengangs an ihrem geplanten Einstieg bei dem deutsch-französischen Panzerbauer fest. Die Regierung respektiere die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang zu pausieren, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwochabend mit. Man sei weiterhin daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.Lesen Sie auchIn Verhandlungen mit Frankreich und der Anteilseignerfamilie sei bereits eine Verständigung über Eckpunkte für eine Beteiligung erzielt worden. Diese sichere ausgewogene Einflussrechte beider Länder und schütze die gegenseitigen Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe.Grüne werfen KNDS-Eigentümern Gier vorDie Grünen sprechen hingegen von einem „Desaster für die Bundesregierung“. Dies sei das Ergebnis einer strategielosen Industriepolitik und der Gier einer Milliardärsfamilie, die den Staat in dieser Sicherheitslage im Schwitzkasten halte, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Schäfer, am Mittwochabend der Nachrichtenagentur Reuters. „Nun macht die Besitzerfamilie von KNDS einen Rückzieher, weil ihnen offenkundig der Milliardenerlös noch nicht ausreicht.“dpa/rtr/saha