PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungNationalmannschaftWeltklasse? Höchstens bei der Hotelwahl. Sonst nur Gucci, Gucci, CappuccinoVon Bob HanningStand: 17:05 UhrLesedauer: 4 MinutenNach dem WM-Aus der Nationalmannschaft spricht Lothar Matthäus Klartext. Besonders ein Thema hat aus seiner Sicht für Unruhe in der Mannschaft gesorgt.Bei Bob Hanning hat sich Wut aufgestaut. Den Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin entsetzt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Er rechnet mit der Leistungskultur vom Bundestrainer und den Spielern ab.Wut, Frust, Enttäuschung – was habe ich mich geärgert. Und, ganz ehrlich: Mir kocht das Blut noch immer in den Adern! An einen ähnlich schlechten Turnierauftritt einer deutschen Nationalmannschaft wie gegen die Fußball-Zwerge Paraguays kann ich mich nicht erinnern. Ohne Feuer. Ohne Eifer. Ohne Ehrgeiz. Ohne Mumm.Vielleicht mögen Sie sich wundern: Ein Handballer kommentiert ein Fußballturnier? Aber ja! Wir reden hier schließlich von den wichtigsten Sportbotschaftern unseres Landes. Botschaftern, von denen wir mehr erwarten können. Von denen wir mehr erwarten dürfen. Ja, mehr erwarten müssen. Doch statt als glühende Vorbilder fürs In- und Ausland aufzutrumpfen, haben Julian Nagelsmann und seine Spieler auf der größten aller Sportbühnen kollektiv versagt. Nicht bloß sportlich.Wehmütig denke ich an längst vergangene, von vielen vergessene Tage zurück. An 2014, unseren letzten WM-Titel. Klar. Aber auch an Zeiten wie 2002, als Fußball-Arbeiter wie Olli Kahn, Jens Jeremies und Miro Klose als Vize-Weltmeister nicht nur sportlichen Glanz versprühten. Sie rissen sich mit dem Adler auf der Brust den Hintern auf, bestachen mit Herz und Hirn. Sie ordneten alles ihrem Erfolg unter – und waren in aller Welt gefürchtet. Zu Deutschland wurde aufgeschaut, der Respekt war riesig. Übrig geblieben ist davon nicht viel. Der Lack ist ab. So sehr diese Erkenntnis auch schmerzt, aber die Nationalmannschaft anno 2026 ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft: Sie ist satt, träge und selbstgerecht. Wir haben den Fokus und unseren Kompass verloren. Den Sinn für die wichtigen Dinge, den Sinn für die richtigen. Weniger leisten, mehr bekommen ist die Maxime. 70 Prozent ist das neue 100.In Deutschland packen wir unsere Stars in WatteBeispiel gefällig? Gern.Lesen Sie auchMir sind fast die Ohren abgefallen, als ich von den Family Days im deutschen Camp hörte. FAMILIENTAGE? Während einer Fußball-WM? Meine Jungs bei der Handball-Nationalmannschaft haben mich als italienischer Nationaltrainer auch kürzlich nach derlei Aktivitäten gefragt. Ich stellte die Mannschaft vor die Wahl: Family-First-Prinzip oder volle Konzentration auf das Team und die sportliche Aufgabe? Wir entschieden uns für den Leistungsgedanken – und qualifizierten uns sensationell für die WM.Im Profisport geht es ums Mindset. Nuancen entscheiden, nicht bloß Gucci, Gucci, Cappuccino. Weltklasse? Sind wir höchstens noch bei der Quartierwahl. In Deutschland packen wir unsere Stars in Watte, statt sie zu Höchstleistungen anzustacheln. Wir versuchen, Ihnen alles recht zu machen. Wo ist nur unsere „Ärmel-Hoch-Mentalität“ geblieben? Wo ist der Fleiß? Wo ist der Ehrgeiz? Tugenden, für die wir jahrzehntelang geschätzt und bewundert worden sind. Stattdessen schaffen wir am anderen Ende der Welt teure Wohlfühl-Oasen und legen Family-and-Friends-Programme auf, die sich nicht rentieren. Viel ist von Vertrauen und Teamspirit die Rede. Gesehen habe ich davon nichts.Fest steht: In der Komfortzone, das haben wir in den letzten Tagen leidvoll mitansehen müssen, gewinnt man keine großen Spiele, geschweige denn Titel. Harte Arbeit, Fokussierung und, ja, auch Entbehrung gehören zu den Opfern, die man bringen muss, wenn Außergewöhnliches entstehen soll. Rudi Völler wird das noch wissen. Nagelsmann ganz offensichtlich nicht. Selten war das Talent eines deutschen Teams bei einer WM größer, selten der Ertrag kleiner. Und so wird Nagelsmann – so leid es mir tut – nach der krachend gescheiterten Turnier-Kampagne bei der Nationalmannschaft wohl eine Lücke hinterlassen, die ihn vollständig ersetzt.Ist jetzt alles verloren? Nein! Doch das Motto der Nagelsmann-Ära, alles besser zu wissen, aber nichts besser zu machen, darf jetzt keine Option mehr sein. Nicht in der Gesellschaft und nicht auf dem Fußballfeld. Wir brauchen wieder mehr Herz und Haltung, mehr Mut und Wille, mehr Gier und Galle. Im Fußball sehe ich Jürgen Klopp als perfekten Mann für den Job. Warum? Er schafft es, Menschen zu verbinden. Und hinter einem Ziel zu versammeln. Nur gemeinsam werden wir es schaffen, das vermeintlich sinkende Schiff wieder auf Kurs zu bringen.Bob Hanning ist eine der prägendsten und einflussreichsten Persönlichkeiten des deutschen Handballs. Der 58-Jährige ist Geschäftsführer des Bundesliga-Topklubs Füchse Berlin und gleichzeitig auch Trainer der italienischen Nationalmannschaft.
Hanning über DFB: Weltklasse? Höchstens bei der Hotelwahl. Sonst nur Gucci, Gucci, Cappuccino - WELT
Bei Bob Hanning hat sich Wut aufgestaut. Den Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin entsetzt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Er rechnet mit der Leistungskultur vom Bundestrainer und den Spielern ab.










