Die Zubereitung des mutmaßlichen Sommerdrinks des Jahres kostet Überwindung: Nach Limettensaft und Kokossirup soll wirklich Schlagsahne in die Cola. „Dirty Soda“ nennt sich das, die Kombination aus Softdrink, Sirup und Sahne oder Milch, ähnlich einer Float, die aus Limonade oder Malzbier mit Vanilleeis besteht. Die knall- bis pastellbunten Dirty Sodas, in denen Sahne oder Milch Schlieren zieht, wie man es aus dem Cocktail-Klassiker White Russian kennt, flutet – sorry, der muss sein – gerade die sozialen Medien.Der Trend stammt aus den USA, was erst einmal nichts Besonderes ist; seine Geschichte ist dennoch ungewöhnlich. Dirty Sodas wurden im US-Bundesstaat Utah erfunden, wo die mormonische Kultur stark verwurzelt ist, in der neben Alkohol auch Kaffee und schwarzer Tee verboten sind. Social Drinking gibt es dort trotzdem, nur bestellt man dabei keinen Aperol oder anderen Spritz, sondern, fürs Cocktailfeeling, fancy Limonaden.In den USA haben sich Unternehmen und Ketten wie Swig, Socalicious, Fiiz und Pop’s Social darauf spezialisiert. Dort gibt es in Supermärkten „Liquid Creamer“, fertige Mischungen aus Sirup und Sahne oder Milch, ständig kommen neue Geschmacksrichtungen dazu. Seit die Schauspielerin und Sängerin Olivia Rodrigo Ende 2021 ein Foto von sich mit einer Dirty Soda auf Instagram gepostet hat, ist der Trend auch außerhalb der Community angekommen. Die Reality-Show „The Secret Lives of Mormon Wives“, in der Treffen in entsprechenden Lokalen gezeigt werden, verschaffte dem Drink ab 2024 zusätzlich Bekanntheit.Seitdem gehen immer wieder Fotos von süß-sahnigen Limonaden auf Tiktok und Instagram viral. Die klassische Kombination, „Dirty Coke“, ist Cola, Kokosnuss und Sahne. Zitronen- oder Limettenlimo wird mit Fruchtpüree und Kokosmilch, Dr Pepper mit Vanillesirup und Milch gemixt.Alkoholfreie „Spaßgetränke“ boomenMit etwas Verzögerung kommt die Bewegung nun hierzulande an. In Deutschland hat eine Fast-Food-Kette seit Kurzem Zitronenlimo mit Kirschsirup und Milchschaum im Sortiment. Der Trend passt in die Zeit, er ist instagrammable, sieht mindestens spannend und oft sogar gut aus. Vor allem die Gen Z trinkt immer weniger Alkohol, auch darum boomen alkoholfreie „Spaßgetränke“.Dirty Sodas lassen sich mit Sirup-Mischungen individuell anpassen, statt Schlagsahne werden Kaffeesahne und vegane Milchalternativen genutzt. Es ist die Gegenbewegung zu funktionalen Protein- und Kollagenshakes und auch zur Diskussion um die Zuckersteuer. So herrlich unvernünftig wie Tiramisu-Latte und andere hippe Kaffee-Spezialitäten, die von Desserts inspiriert sind, mit der Ausnahme, dass die Softdrinks in den Rezepten oft in der zuckerfreien Light-Variante verwendet werden.Im Praxistest erinnert Cola mit Kokosnuss, Limette und Sahne an eine Art dünnflüssigen Kokos-Eiskaffee. Die Säure der Limette macht sich gut, aber die Sahne legt sich unangenehm über die Kohlensäure der Cola, und der Sirup irritiert mehr, als er dem Ganzen bringt. „Dirty Soda“ mag ein Comfort Drink sein, eine pappsüße Kindheitserinnerung, darum geht es bei Getränke- und Food-Trends ja oft, mehr als um den Geschmack selbst. Für den kann man Sirup und Sahne auch einfach weglassen und die frei gewordenen Kalorien zur Abwechslung mit einer klassischen Cola ausgleichen.Die Autorin bevorzugt „Dirty Matcha“: kalten Matcha ohne Milch, dafür mit einem Espresso-Shot. Bernd Schifferdecker (Illustration)
Wie schmeckt „Dirty Soda“?
Die Mischung aus Softdrink, Sirup und Schlagsahne könnte das Sommergetränk des Jahres werden.









