Linkin Park: Die Verbindung zwischen Band und Fans ist eng – da fällt kein Regentropfen dazwischenDie kalifornische Band klingt live frischer als Nu Metal, der Stil, den sie einst mitgeprägt hat. Trotz Gewitterpause packen die Musiker das Publikum im Zürcher Letzigrund durch emotionale Direktheit.Adrian Schräder01.07.2026, 09.37 Uhr3 LeseminutenEmily Armstrong bringt viel Wucht in den Sound von Linkin Park.Ricardo Rubio / ImagoKaum haben Linkin Park am Dienstagabend vor den 50 000 Fans im ausverkauften Zürcher Letzigrund Fahrt aufgenommen, zieht ein Gewitter über das Stadion. Aus Sicherheitsgründen muss das Konzert für rund 45 Minuten unterbrochen werden. Die Masse harrt aus. Manch einer dürfte einen Konzertabbruch befürchtet haben. Zu präsent war die Erinnerung noch an den vergangenen Sommer: Damals musste der Auftritt von Linkin Park in Bern wegen eines medizinischen Notfalls kurzfristig abgesagt werden. Entsprechend gross ist die Erleichterung, als die Band kurz vor 22 Uhr wieder auf die Bühne zurückkehrt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es hätte ein Abend werden können, an den man sich vor allem wegen des Regens erinnert hätte. Stattdessen erlebte man nun ein Konzert, das eindrücklich zeigte, weshalb Linkin Park noch immer zu den grössten Rockbands der Gegenwart zählen. Dass die Band überhaupt wieder auf einer Stadionbühne stehen kann, schien allerdings lange fraglich. Nach dem Tod des Sängers Chester Bennington im Jahr 2017 legte sie eine mehrjährige Pause ein. Erst mit dem Album «From Zero» gelang 2024 das Comeback. Die neue Sängerin Emily Armstrong musste nicht Chester Bennington ersetzen. Sie musste überzeugen, ohne ihn kopieren zu wollen.Gitarrenriffs und Hip-Hop-BeatsIm Letzigrund ist ihr das eindrücklich gelungen. Mit ihrer rauen Stimme und enormer Bühnenpräsenz setzt sie eigene Akzente. Immer wieder steigert sie sich in lang ausgehaltene Schreie hinein, die durch Mark und Bein gehen. Musikalisch bleiben Linkin Park ihrer eigenen Formel treu. Die Songs verbinden harte Gitarrenriffs mit Hip-Hop, elektronischen Beats und grossen Pop-Melodien. Es ist ein eigentümliches Amalgam. Vor allem aber leben die Stücke von ihrer Dynamik. Fast jedes beginnt kontrolliert, steigert sich Schritt für Schritt und entlädt sich schliesslich in einem gewaltigen Refrain.Charakteristisch ist dabei das Zusammenspiel zwischen Emily Armstrong und Mike Shinoda, dem Songschreiber und Rapper. Gesang und Rap erzählen selten unterschiedliche Geschichten. Vielmehr verstärken sie sich gegenseitig. Der Rap formuliert den Konflikt, der Gesang macht ihn zur emotionalen Gewissheit. Aus Frustration wird ein Aufschrei, aus Zweifel Verzweiflung. Diese unmittelbare Emotionalität erklärt, weshalb Linkin Park bis heute ein Massenpublikum erreichen – und weshalb ihre Musik für manche zu pathetisch wirkt.Linkin Park kennen kaum Ironie und wenig Ambivalenz. Ihre Songs sollen nicht entschlüsselt, sondern unmittelbar verstanden werden. Jede Melodie und jeder Refrain arbeiten auf denselben Effekt hin: maximale emotionale Resonanz. Man kann das kalkuliert finden. Man kann sich davon überwältigen lassen. Gleichgültig lässt es kaum jemanden.Hinzu kommt die erstaunliche Bodenständigkeit der Band. Mike Shinoda verlässt immer wieder die Bühne, mischt sich unter die Fans, lässt sie mitsingen und entschuldigt sich nach der Regenpause höflich für die Unterbrechung. Die sechs Musiker wirken nicht wie unnahbare Rockstars, sondern eher wie gleichgesinnte Kollegen.Etwas Rauch und KonfettiDie Show selbst verzichtet weitgehend auf grosses Spektakel. Kein grosses Blabla, einige Laser, intensive Farbwelten, etwas Rauch und Konfetti. Die eigentliche Wucht entsteht durch die Musik. Und die hat – anders als der Nu Metal, den Linkin Park einst entscheidend mitprägten – erstaunlich wenig an Kraft verloren.Als gegen Ende «Numb», «In the End» und «Faint» erklingen, ehe die Band nach drei Zugaben mit «Bleed It Out» schliesst, wird endgültig klar, weshalb Linkin Park noch immer Stadien füllen. Nicht, weil ihre Musik raffiniert wäre, sondern weil sie Gefühle in eine Form bringen, die sich ohne Umwege erschliesst. Der Regen konnte für 45 Minuten diesen Abend unterbrechen. Die Verbindung zwischen Band und Publikum nicht.Passend zum Artikel