PfadnavigationHomePanoramaRock am RingDann ertönt „Killing in the Name of“ – Ein GänsehautmomentVon Tobias DupkeStand: 07:37 UhrLesedauer: 4 MinutenSängerin Emily Marcia Armstrong von Linkin Park bei Rock am Ring auf der UtopiastageQuelle: Thomas Frey/dpaZehntausende feierten wieder drei Tage lang Linkin Park, Limp Bizkit und Iron Maiden am Nürburgring. Doch neben Gänsehautmomenten sorgen Gedränge vor den Bühnen und Diskussionen über die Sanitäranlagen für Kritik.Spätestens um 8 Uhr morgens ist die Nacht vorbei. Denn dann knallen die ersten Hobbyrennfahrer lautstark in ihren PS-starken Autos über die Nordschleife des Nürburgrings – nur wenige Meter daneben haben Hendrik, Jakob und Philipp (alle 24) ihre Zelte aufgestellt. Von den Nachbarn dröhnt Gitarrenmusik zu ihnen hinüber. Hier trifft in diesem Moment der Ring auf den Rock. Und kurze Zeit später steht das erste Bier schon auf dem Tisch. Ungeöffnet. „Wir frühstücken erst mal: Rührei, Brot mit Marmelade und Kaffee“, sagt Hendrik.Das Musikfestival Rock am Ring in der Eifel endet am Sonntagabend nach drei Tagen voller Musik, Magie und ganz viel Miteinander. Rund 90.000 Besucher haben 80 Bands auf mehreren Bühnen live erlebt, Headliner waren in diesem Jahr Linkin Park, Limp Bizkit, Volbeat und Iron Maiden – und Rage-Against-the-Machine-Gitarrist Tom Morello sorgt mit seiner eigenen Band für einen ganz besonderen Höhepunkt an diesem Wochenende.Der Rockmusiker kündigt ein „deutsches Volkslied“ an, was das Publikum im ersten Moment irritiert. Dann dreht er sein Mikrofon von sich weg und in Richtung der Besucher. Der Anfang des Rage-Against-the-Machine-Hits „Killing in the Name of“ ertönt – und alle singen lauthals mit. Ein echter Gänsehautmoment.Den gibt es auch am Freitagabend, als die US-Band „Linkin Park“ gegen 0.30 Uhr den Schlussakkord spielt und Feuerwerk den Himmel über der Eifel in bunte Farben taucht. Ein Großteil des Publikums möchte im Anschluss zur anderen Bühne wechseln, da dort um 1 Uhr „Limp Bizkit“ auftreten. Zehntausende Menschen suchen den schnellsten Weg, um von der Utopia- zur Mandora-Bühne zu gelangen. In den sozialen Medien berichten viele von ihnen später von der Situation an diesem Abend: „Es war kurz vor einer Massenpanik“, schreibt ein User. Ein anderer erklärt: „Wir sind zurück aufs Gelände, als es uns zu eng wurde. Die Leute drückten von oben, unten staute es sich.“ Einzelne Besucher ziehen in den Sozialen Medien sogar Vergleiche zur Loveparade-Katastrophe von Duisburg. Belege für eine tatsächliche Gefährdungslage gibt es nach Angaben des Veranstalters jedoch nicht.„Die Abläufe bewegten sich jederzeit innerhalb des vorgesehenen Festivalbetriebs. Einzelne Situationen in großen Menschenmengen können von Besucherinnen und Besuchern unterschiedlich wahrgenommen werden. Rückmeldungen nehmen wir ernst und werten sie kontinuierlich mit den zuständigen Behörden aus“, erklären Eventimpresents und DreamHaus auf Anfrage. Die Sicherheit der Besucher habe jederzeit höchste Priorität. „Nach einzelnen Auftritten kann es festivaltypisch zu verstärkten Besucherbewegungen kommen, wenn sich viele Menschen gleichzeitig zwischen den verschiedenen Bereichen des Geländes bewegen. Die zulässigen Besucherzahlen wurden dabei zu keinem Zeitpunkt überschritten. Unser Crowd-Management hat die Besucherströme kontinuierlich überwacht und gesteuert“, so der Sprecher weiter.Weiterer Kritikpunkt sind die sanitären Anlagen auf den Zeltplätzen – wobei es hier auch unterschiedliche Meinungen gibt. Während die einen die Duschmöglichkeiten und die Anzahl der Dixiklos loben, warten andere laut eigener Aussage teilweise 30 Minuten und länger auf eine freie Toilette. Es gebe „viel zu wenige Spülklos“, schreibt eine Nutzerin – und die seien dann auch noch „permanent defekt“. Oder: „Die Duschsituation ist definitiv nicht dieselbe wie letztes Jahr! Nirgends kann man seine Sachen aufhängen.“ Ein anderer schreibt: „Es ist zu wenig!“ Die Veranstalter reagieren auf Instagram: „Es stehen die gleichen Toiletten- und Duschanlagen wie im letzten Jahr zur Verfügung. Dort, wo Campingflächen jetzt erweitert wurden, haben wir die Kapazitäten zusätzlich ausgebaut und an die größeren Flächen angepasst.“ Über die genaue Anzahl der sanitären Einrichtungen kann ein Sprecher auf Nachfrage nichts sagen.Parallel zum Festival in der Eifel findet traditionell Rock im Park in Nürnberg statt. Auf dem Zwillingsfestival in Bayern treten zum Großteil dieselben Bands auf, nur an anderen Tagen. 80.000 Besucherinnen und Besucher zählt Rock im Park laut Veranstalter in diesem Jahr. Mit Blink-182 steht bereits der erste Headliner für Rock am Ring 2027 fest. Der Vorverkauf beginnt bereits an diesem Dienstag.Am Nürburgring wird es auch nach Festivalende nicht ruhig. Schon am Montag werden wieder die ersten Sportwagen über die Nordschleife fahren. Die Gitarren verstummen, die Motoren bleiben. Für drei Tage aber gehörte der Ring dem Rock.