Grafik der WocheDie Entspannung in Nahost hat bisher nicht geholfen: Der Yen fällt auf den niedrigsten Stand seit Dezember 1986. Interveniert Japans Regierung schon bald wieder, um die Währung zu stützen?Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mit der Entspannung im Krieg im Nahen Osten und der langsamen Öffnung der Strasse von Hormuz hellen sich die Konjunkturaussichten für Japan wieder auf. Denn das Land ist kritisch von Energieimporten abhängig und gehört deshalb zu den Profiteuren fallender Rohölnotierungen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.So handelt der Preis für die Sorte Brent derzeit nahezu 40% unter dem Jahreshöchst, was die Importkosten und den Inflationsdruck im Land spürbar verringert. Von dieser erfreulichen Entwicklung hätte auch die Währung profitieren sollen. Doch es kam anders. Ein Dollar kostet derzeit rund 162.40 Yen, was dem schwächsten Wechselkurs seit Dezember 1986 entspricht.Vorsichtige Bank of JapanEin Grund für die Yen-Schwäche – oder vielmehr die Dollarstärke – sind die schärferen Töne, die die US-Notenbank (Fed) unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh anschlägt. Im begleitenden Statement zum Entscheid des Offenmarktausschusses von Mitte Juni hiess es: «Der Ausschuss wird für Preisstabilität sorgen», was die Märkte als erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine baldige Leitzinserhöhung interpretieren. Die Terminmärkte rechnen mittlerweile mit einer bis zwei Erhöhungen bis Ende Jahr.Gleichzeitig hinken die japanischen Währungshüter im Kampf gegen die Inflation hinterher. Zwar hat die Bank of Japan an der letzten Sitzung am 16. Juni den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1% angehoben. Das entspricht dem höchsten Wert seit drei Jahrzehnten. Angesichts einer Kerninflation von 1,8% (sie klammert die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise aus) wäre allerdings eine noch straffere Geldpolitik angezeigt – wie etwa die steigenden Renditen japanischer Staatsanleihen und eben der schwache Yen signalisieren.Extrem unterbewerteter YenNoch sorgen die höheren Bondrenditen nicht für eine Repatriierung von japanischem Kapital in grösserem Umfang. Zudem wetten auch die grossen spekulativen Anleger kräftig gegen den Yen. Das jedenfalls lassen die von der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) publizierten Daten erkennen. Vorderhand hält der Abwärtsdruck somit an.Allerdings ist die japanische Valuta mittlerweile markant unterbewertet, wie ein Blick auf die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ermittelten realen effektiven Wechselkurse zeigt. Insbesondere im Vergleich zum Dollar ist der Yen attraktiv: Die Strategen des kanadischen Researchanbieters BCA schätzen die Unterbewertung zum Greenback auf fast 50%.Für Kit Juckes, Währungsstratege in Diensten von Société Générale, ist es zudem bloss eine Frage der Zeit, bis es zu Interventionen seitens der Regierung kommt. Finanzministerin Satsuki Katayama und Kabinettschef Minoru Kihara setzten am Dienstag zumindest zu verbalen Interventionen an. Sie beide bekräftigten, dass Japan «bei Bedarf jederzeit geeignete Massnahmen im Devisenbereich ergreifen werde». Vielleicht erholt sich dann Japans schwache Währung endlich.