Sahra Wagenknecht bietet der AfD eine Kooperation an und sucht dafür die Bühne mit Alice WeidelDas BSW fürchtet um den Einzug in die Landesparlamente bei den Wahlen in Ostdeutschland. Umso weitreichender ist jetzt seine Wahlkampfstrategie. Damit könnte sogar ein AfD-Kandidat Ministerpräsident werden.30.06.2026, 16.00 Uhr3 LeseminutenDie BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat die AfD-Vorsitzende Alice Weidel zu Rededuellen eingeladen.ImagoDie Ausgrenzung der AfD beklagt die BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht bei all ihren Auftritten. Die Brandmauer kritisiert sie als «völlig idiotisch» und «ineffizient». Diese ist aus ihrer Sicht ohnehin schon lange gescheitert. Auch Gesprächen mit der AfD-Spitze verschliesst sich Wagenknecht ganz und gar nicht. Es gab sogar ein Rededuell zwischen ihr und der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel. Das war kurz vor dem Bruch der Ampelkoalition im Sender Welt-TV.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Solch ein Streitgespräch könnte sich nach Vorstellung von Wagenknecht jetzt wiederholen – mit «offenem Visier» und «gemeinsamen Spielregeln», wie es in einem Brief des BSW an die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla heisst. Darin schlägt das BSW «die politische Debatte mit zwei Frauen, die Hallen und Marktplätze füllen» vor. Gedacht hat das Bündnis dabei an Wahlkampfbühnen in Schwerin und Magdeburg.Wagenknecht könnte damit ihre Bekanntheit mit Unterstützung der AfD in Wählerstimmen umzumünzen. So zumindest lässt sich das Angebot in dem von den beiden BSW-Chefs Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali sowie Generalsekretär Oliver Ruhnert unterschriebenen Brief lesen. Eine Antwort von Alice Weidel steht nach Anfrage an die AfD noch aus.Nach den zuletzt ausgebliebenen Wahlerfolgen geht es bei dem Anfang 2024 von Wagenknecht gegründeten BSW ums politische Überleben. Die Partei ist weit entfernt von ihren Anfangserfolgen in Thüringen mit knapp 16 Prozent und in Sachsen mit rund 12 Prozent der Stimmen. Den Einzug in den Bundestag verpasste die Wagenknecht-Partei im vergangenen Jahr knapp. Damit will sich das BSW aber nicht abfinden und vor dem Bundesverfassungsgericht eine Neuauszählung der Stimmen erstreiten.BSW ringt um Umgang mit der AfDDie Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind somit wohl die letzte Chance für das BSW, um politisch überhaupt noch eine tragende Rolle zu spielen. Umfragen zeigen die Partei zwischen fünf und sechs Prozent der Wählerstimmen. Weit vorn liegt in den beiden ostdeutschen Bundesländern die AfD. Ob das allerdings reicht, um die Regierung zu stellen, ist ungewiss.Vor allem in Sachsen-Anhalt könnte das BSW, wenn es dann in den Landtag einzieht, einem AfD-Ministerpräsidenten ins Amt verhelfen. Die Parteigründerin Wagenknecht hatte bereits angekündigt, dass sich ihr Bündnis bei Abstimmungen über Kandidaten der AfD und der CDU in allen Wahlgängen enthalten werde.Da im dritten Wahlgang aber eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen genügt, könnte durch eine Enthaltung des BSW so möglicherweise ein AfD-Kandidat gewinnen. Dieses Szenario weist allerdings noch viele Unbekannte auf.Dennoch ist die von der BSW-Führung aufgezeigte Strategie heikel. Denn gerade in den Landesverbänden wird hart darüber gerungen, wie weit die Zusammenarbeit mit der Rechtsaussenpartei gehen darf. In Thüringen, wo das BSW als drittstärkste Kraft an der Regierung beteiligt ist, gab es mehrfach Gespräche mit dem dortigen AfD-Fraktionschef Björn Höcke. Immer wieder betonte Wagenknecht, dass sie «den Unsinn nicht mitmachen» werde, Anträge abzulehnen, nur weil sie von der AfD eingereicht worden seien. Eine «aktive Zusammenarbeit» oder Koalition mit der AfD lehnt sie aber strikt ab.Wagenknecht plädiert für ExpertenregierungZiel sei, die «Abwahl der Amtsinhaber» in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und ihre «Ersetzung durch überparteiliche Ministerpräsidenten», die dann in wechselnden Mehrheiten unter Einbindung der AfD regieren sollten, heisst es in dem Brief an die AfD. Rechtsextremismus, den es auch in der AfD gibt, werde jedoch abgelehnt.Solche Vorschläge sind nicht neu. Das BSW wirbt schon lange für Expertenregierungen, die nicht von Parteipolitikern gebildet werden. Für Gesetzesvorhaben müssten dann jeweils eigene politische Mehrheiten gesucht werden.Wagenknecht verspricht sich davon eine unabhängige Position, die das BSW vermitteln wolle. Fachliche Kompetenz sei wichtiger als das Parteibuch, so die Botschaft. Expertenregierungen gab es allerdings in Deutschland bisher noch nicht und auch in Zukunft gilt ihr Zustandekommen als unwahrscheinlich.In dem Brief zählt das BSW dann auch die Unterschiede zur AfD auf, wie die Rüstungspolitik oder die enge Verbundenheit mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Gemeinsam sei beiden Parteien aber, dass sie «immer engere Meinungskorridore» kritisierten. Auch die Einschätzung, dass der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk in Deutschland immer mehr zu einem «propagandistischen Staatsfunk» verkomme, dürfte der AfD gefallen.Der Brief des BSW ist das bisher deutlichste Bemühen der im Sinkflug befindlichen Partei um ein paar Aufmerksamkeitspunkte. Allerdings kann auch er nicht über die innerparteilichen Streitereien und fehlende politische Inhalte hinwegtäuschen.Passend zum Artikel
Sahra Wagenknecht schlägt Rededuelle mit Alice Weidel vor
Das BSW fürchtet um den Einzug in die Landesparlamente bei den Wahlen in Ostdeutschland. Umso weitreichender ist jetzt seine Wahlkampfstrategie. Damit könnte sogar ein AfD-Kandidat Ministerpräsident werden.










