Keine andere Branche hat in den vergangenen Jahren in und um Frankfurt so viel Aufmerksamkeit durch Neubauten auf sich gezogen wie die Gruppe der Betreiber von Rechenzentren. Getrieben von der allfälligen Nutzung von Smartphones und der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt, lassen die Unternehmen ein Datencenter nach dem anderen in die Landschaft stellen. Als Magnet wirkt der Internetaustauschknoten DE-CIX mit seinen auf mehrere Rechenzentren in Frankfurt verteilten Hochleistungsrechnern.Mittlerweile sind freie Flächen für Rechenzentren in und um Frankfurt nicht nur rar, sondern auch teurer geworden. Denn die Flächenkonkurrenz auch mit anderen Branchen ist groß. Die Folge: Betreiber von Rechenzentren schauen sich vermehrt im ländlichen Raum nach Standorten um. Das gilt auch und gerade für die lange Zeit in dieser Hinsicht vernachlässigte Wetterau. Neuestes Beispiel ist Nidda. Mit dem Vorhaben verbinden sich zwei Chancen für die Stadt. Eine Industriebrache wird wieder besiedelt und mit zukunftsfähigen Arbeitsplätzen überdies. Es bezeugt dessen ungeachtet den Wandel in der Wirtschaft: Auf ein Industrieunternehmen folgt, wenn es so kommt, ein Vertreter der Digitalwirtschaft.Spannend ist das in mehrfacher Hinsicht. An vielen anderen Standorten sind spezialisierte Immobilienunternehmen mit Muttergesellschaften im Ausland am Werk. Das ist zum Beispiel in Bad Vilbel mit Blick auf die beiden dort geplanten Datencenter der Fall. Eine Ausnahme bildet Rosbach, dort steht ein junges Frankfurter Unternehmen hinter dem Neubau. Eine weitere Ausnahme könnte Nidda bilden. Denn mit Blick auf die Fläche der ehemaligen Spezialpapierfabrik in Ober-Schmitten spricht der Projektentwickler dem Vernehmen nach mit der Schwarz-Gruppe, die außer Lidl und Kaufland auch eine Datencenter-Tochtergesellschaft innehat.Die Debatte in Nidda dreht sich derweil aber weniger um die Anzahl neuer zukunftsfähiger Stellen als die Frage, was mit den ehedem von der Fabrik genutzten Brunnen passiert. Das mag kurios finden, wer dort nicht wohnt. Allerdings sorgen sich viele Menschen in der Region um den Abfluss erheblicher Mengen von Trinkwasser gen Frankfurt. Diese Sorgen scheinen aber übertrieben, wenn das Wort des Bürgermeisters gilt. Demnach braucht Nidda selbst nur ein Drittel der zur Verfügung stehenden Wassermenge.