Jonathan Tah widerstand der großen Versuchung zur Legendenbildung. Sein aberkanntes Kopfball-Tor zur vermeintlichen Achtelfinalqualifikation bei der Fußball-Weltmeisterschaft wollte der verhinderte Matchwinner nicht im selben Geschichtsbuch sehen wie das berühmte Handspiel von Marc Cucurella bei der Heim-Europameisterschaft 2024. „Es bringt nichts, darüber zu diskutieren“, sagte Tah in ruhigem Ton, „wir müssen uns an die eigene Nase packen.“Und doch kam auch der sanftmütige Tah nicht umhin, die Fakten zu benennen. „Für mich“, sagte er zu der fraglichen Szene in der 102. Minute beim WM-Debakel gegen Paraguay (3:4 i.E.), „war das auf jeden Fall kein Foul. Alle sind am Boden zerstört.“ Und sie waren sauer, ja wütend auf Schiedsrichter Jalal Jayed.„Nie und nimmer ein Foul, das ist handelsüblich“Der Marokkaner hatte den vermeintlichen deutschen Führungstreffer zum 2:1 nach einem Eingriff des Videoassistenten (VAR) zurückgenommen – sehr zum Unverständnis auch der TV-Experten. „Mir fehlen die Worte“, sagte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer im ZDF: „Die Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar. Das ist nie und nimmer ein Foul, überhaupt nicht. Das ist handelsüblich.“Bedrängte den Torhüter: Nationalspieler Waldemar Anton (Mitte)dpaÄhnlich sah es Jürgen Klopp: „Wenn dieses Tor irregulär ist, wird Arsenal nicht englischer Meister. Wir gewinnen das Spiel, wenn der Ball drin ist“, sagte der ehemalige Teammanager des FC Liverpool bei MagentaTV. Er spielte damit darauf an, dass sich die „Gunners“ den Titel in der Premier League nicht zuletzt durch das Bedrängen des Torwarts bei Standards gesichert hatten.So geschah dies auch im Sechzehntelfinale von Foxborough, als Waldemar Anton die Hände zu Hilfe nahm, um Paraguays Torwart Orlando Gill zu stören – und den Weg freizumachen für Tah. Schiedsrichter Jayed entschied auf Tor, doch nach einem Hinweis der Video-Assistentin Tatiana Guzman (Nicaragua) schaute er sich die Szene noch einmal an – und er wertete Antons Eingriff als regelwidriges Blocken.„Klare Fehlentscheidung“Bundestrainer Julian Nagelsmann, so schien es, schickte mit gefalteten Händen ein Stoßgebet gen Himmel, später schimpfte er: „Ein Witz, dass er den abpfeift. Das ist nicht nur ein Skandal, das ist ein Vollskandal!“In der Tat, meinte auch Kinhöfer. „Wir haben bei der WM schon ganz andere Situationen erlebt. Der Torwart steht sofort wieder auf, das ist ein normaler Kontakt“, kritisierte er.Auch der frühere Schiedsrichter Patrick Ittrich hielt die Entscheidung für falsch. „Für mich ist das zu kleinlich. Natürlich gibt es einen Kontakt, aber ich sehe kein Wegstoßen, kein Wegdrücken, kein Festhalten“, meinte er bei MagentaTV und ergänzte mit Blick auf den VAR: „Insofern ist es keine klare Fehlentscheidung und dieser Eingriff nicht gerechtfertigt.“Doch es half nichts. „Am Ende“, schloss Tah das Kapitel zumindest aus seiner Sicht, „müssen wir die Entscheidung akzeptieren.“
Fußball-WM 2026: Ärger über Tah-Tor und VAR-Eingriff nach Deutschland-Aus
Nach dem Debakel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Paraguay sorgt auch ein aberkanntes Tor von Nationalspieler Tah für heftige Diskussionen. Nicht nur der Bundestrainer wählt sehr deutliche Worte.











