Das globale Wachstum der landwirtschaftlichen Produktion wird in den nächsten zehn Jahren von der erhöhten Nachfrage nach tierischen Erzeugnissen angeführt. Treiber dieser Entwicklung werden Länder mit mittlerem Einkommen sein, vor allem Indien und die Länder Südostasiens. Das ergibt sich aus dem Agrarausblick der Vereinten Nationen, der am Montag vorgestellt wurde. 39 Prozent des globalen Konsums von Agrarprodukten im kommenden Jahrzehnt werden für Südostasien prognostiziert. Hauptgründe dafür seien das Bevölkerungswachstum und steigende Kaufkraft, mit der sich die Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten sowie Fisch erhöhe, heißt es in dem gemeinsamen Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).In Ländern mit hohen Einkommen sei hingegen nicht damit zu rechnen, dass die Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten signifikant änderten, jedenfalls nicht kurzfristig. Der Fleischkonsum werde dort weitgehend stabil bleiben, und es gebe kaum Anzeichen für eine deutliche Verlagerung hin zu pflanzlichen Alternativen. Weltweit werde der Fleischkonsum bis 2035 voraussichtlich um zwölf Prozent gegenüber 2025 steigen, vor allem durch eine höhere Nachfrage nach Geflügel. Die EU wird dem Bericht zufolge auch in den nächsten zehn Jahren gemeinsam mit den USA und Brasilien größter Fleischexporteur bleiben. Der gemeinsame Exportanteil wird auf mehr als die Hälfte aller Fleischausfuhren geschätzt. FAO und OECD erwarten jedoch, dass die Exportmengen der EU bis 2035 um etwa drei Prozent sinken, da Kostendruck die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtige.Agrarhandel unerlässlich für ErnährungssicherheitBundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) will die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft stärker im Exportgeschäft unterstützen. Zugleich sollen deutsche Exporte von Agrarprodukten und Lebensmitteln vermehrt zur Ernährungs- und Versorgungssicherheit beitragen. In dem Bericht von FAO und OECD wird hervorgehoben, multilaterale Zusammenarbeit und ein regelbasierter internationaler Agrarhandel seien weiterhin „unerlässlich“ für die globale Ernährungssicherheit, den Zugang zu gesunder und bezahlbarer Ernährung und stabile Einkommen für Landwirte.Die Produktion von Agrarrohstoffen und Fisch werde in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich auf der ganzen Welt um 13 Prozent steigen, erwarten FAO und OECD. Haupttreiber dieses Wachstums seien Produktivitätssteigerungen, etwa durch den Einsatz moderner Technik, und eine Intensivierung der Produktion, vor allem in Asien, Subsahara-Afrika und Lateinamerika. Der Preisdruck auf Agrarrohstoffe dürfte sich damit verstärken, heißt es in dem Bericht weiter. Stabile oder sogar sinkende Preise für Lebensmittel seien für Verbraucher zwar eine gute Nachricht, könnten aber Kleinbauern, etwa Produzenten von Kakao und Kaffee, vor große Herausforderungen stellen, da diese stärker von Marktschwankungen betroffen seien und oft nicht die Möglichkeit hätten, neue Technologien einzuführen. Regierungen sollten daher das Produktivitätswachstum fördern, gleichzeitig den Marktzugang der Landwirte verbessern und lokal angepasste Unterstützungsprogramme anbieten, empfehlen FAO und OECD.Mehr Treibhausgase aus der LandwirtschaftZur Getreideproduktion heißt es in dem Bericht, diese werde bis 2035 weltweit voraussichtlich einen Rekordwert von 3,22 Milliarden Tonnen erreichen. Grund dafür seien vor allem prognostizierte jährliche Ertragssteigerungen von 0,9 Prozent. Die Anbaufläche für Getreide werde voraussichtlich nur um 0,1 Prozent jährlich zunehmen – weniger als die Hälfte der Wachstumsrate im Vergleich zum Vorjahr. Auch wenn das Wachstum in der Landwirtschaft vor allem auf Produktionssteigerungen beruht, vergrößern sich aufgrund erweiterter Anbauflächen und größeren Viehbestandes die Probleme für den Klimaschutz. Die direkten Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft werden dem Bericht zufolge bis 2035 voraussichtlich um 6,5 Prozent steigen. Hauptursache seien mit einem Anteil von rund 77 Prozent wachsende Tierbestände. Die anderen 23 Prozent würden synthetische Düngemittel beitragen.Der größte Anstieg von direkten Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft wird in Subsahara-Afrika (16 Prozent) erwartet, gefolgt von Süd- und Südostasien (sieben Prozent). Für Europa und Zentralasien wird hingegen prognostiziert, dass die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft dort in den nächsten Jahren um 0,9 Prozent zurückgehen. Im vorherigen Jahrzehnt hatte der Rückgang aber noch 3,4 Prozent betragen.