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Ölpreis: Wie teuer wird Tanken ab Juli? Bald endet der Tankrabatt. Zugleich könnte die Aussicht auf Frieden im Nahen Osten Energie günstiger machen. Was das fürs Tanken und Heizen mit Gas bedeutet.

Martin Gerth 30.06.2026 - 05:58 Uhr Ende Juni läuft der Tankrabatt aus. Benzin und Diesel dürften dann teurer werden. Foto: IMAGO/Rene TrautSollten die Friedensgespräche zu einem Ergebnis führen, dürfte der Ölpreis weiter fallen. Experten gehen davon aus, dass die meisten US-Ölförderer selbst bei einem Ölpreis von 55 Dollar je Barrel noch Gewinn machen könnten. Diese Preisgrenze ist so etwas wie der Boden am Ölmarkt. Dass der Ölpreis in diesem Jahr so weit sinkt, gilt als unwahrscheinlich.Denn das Tempo des Preisrückgangs könnte nachlassen. Die Berenberg Bank weist darauf hin, dass die aktuellen US-Lagerbestände unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre liegen: „Die nun niedrigen Öllagerbestände dürften das weitere Abwärtspotenzial von Rohöl zumindest begrenzen.“Der Terminmarkt an der Börse läuft dem Markt für Verbraucher, ablesbar an den Preisen für Diesel und Benzin, in der Regel voraus. Die Erfahrung zeigt, dass es bei sinkenden Ölpreisen im Großhandel an der Tankstelle in der Regel nur zögernd günstiger wird. Aktuell kommt noch hinzu, dass der staatliche Tankrabatt Ende Juni wegfällt.Das ifo Institut hat untersucht, inwieweit die Tankstellen den Rabatt an ihre Kunden weitergegeben haben. Jetzt, da diese Unterstützung wegfällt, rechnen die ifo-Analysten von Anfang Juli an wieder mit steigenden Kraftstoffpreisen. Wie stark dieser Effekt durchschlagen werde, hänge von der künftigen Entwicklung des Ölpreises ab.An der Tankstelle laufen also zwei Entwicklungen gegeneinander. Ohne Tankrabatt dürfte es teurer werden. Ein sinkender Ölpreis sollte dagegen Tanken preisgünstiger machen. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Tankstellen das Auslaufen des Rabatts ausnutzen werden, um die Benzin- und Dieselpreise in den Sommerferien zu erhöhen. Danach dürften die Preise an den Tankstellen wieder sinken.Welche Faktoren aktuell den Ölpreis steuernDie Krise im Nahen Osten wirkt kurzfristig auf den Ölpreis. Für die weitere Entwicklung sind jedoch fundamentale Faktoren entscheidend. Wichtig ist vor allem die Angebotsseite. Dabei kommt es auf die Produktion der wichtigsten Ölförderländer und die Lagerbestände der größten Abnehmer an.Die Opec geht davon aus, dass die Produktion ihrer Mitglieder in diesem Jahr um 0,6 Millionen Barrel pro Tag steigen wird. Auch in den USA dürfte mehr Öl gefördert werden, weil US-Präsident Donald Trump Druck auf die US-Konzerne ausübt, die Produktion auszuweiten. Trump will einen neuen Preisschock an den US-Tankstellen vermeiden. Denn bei einer steigenden Inflation, getrieben vom Ölpreis, könnten die US-Wahlen im November für die Republikaner zum Desaster werden.Tankstellen Ende des Tankrabatts – Wann nochmal vollmachen? Im Mai lag die Inflationsrate in den USA bei 4,2 Prozent, dem höchsten Stand seit September 2023. Die Bank LBBW geht davon aus, dass die Inflation in diesem Jahr bei rund vier Prozent liegen wird. Als Grund dafür nannte die LBBW, dass die hohen Energiepreise mit einigen Monaten Verzögerung bei den Lebensmittelpreisen ankämen. Trump dürfte daher auf eine weiter hohe US-Ölproduktion drängen.Bei den Lagerbeständen sieht es derzeit mau aus. In den USA sind sie unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Global betrachtet sind die Bestände ebenfalls rückläufig. Allerdings lagen sie im Mai weltweit noch über dem Niveau des Vorjahresmonats. Wie weit die niedrigen Bestände den Preisverfall verlangsamen können, hängt von den Prioritäten der Politik ab. Wollen die Staaten zunächst mehr Öl in den Markt geben, um die Inflation in den Griff zu bekommen, oder sorgen sie mit dem Auffüllen der Bestände frühzeitig für spätere Engpässe vor? Je nach Szenario könnte der Ölpreisverfall stärker oder schwächer abgebremst werden.Was in diesem Jahr beim Gaspreis zu erwarten istDer Nahost-Konflikt hat auch die Gaspreise für den europäischen Markt getrieben. Im März verteuerte sich Gas von 32 Euro je Megawattstunde auf bis zu 62 Euro. Aktuell liegt der Preis für in den Niederlanden bereitgestelltes Gas bei 42 Euro je Megawattstunde. Das sind 40 Prozent mehr als die rund 30 Euro zu Beginn des Jahres.Bei den Haushaltspreisen für Gas hat sich das kaum ausgewirkt. Laut dem Gaspreisindex der Vergleichsplattform Verivox ist der Gaspreis im Vergleich zum Jahresstart stabil geblieben. Allerdings wird dies wohl nicht so bleiben. „Die jüngsten Preissteigerungen am Großhandelsmarkt infolge des Nahost-Konflikts sind bislang bei vielen Haushalten noch nicht angekommen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.Grund für den Zeitverzug sei, dass die Versorger das Gas für ihre Bestandskunden über langfristige Verträge beschaffen würden. Kurzfristige Preisschwankungen könnten sie so eine Weile lang absichern. Der Energieexperte hält es daher für möglich, dass einzelne Versorger ihre Gaspreise in diesem Jahr erhöhen.Für die privaten Haushalte dürfte das bedeuten, dass sie wohl zunächst mehr für Gas zahlen müssten. Erst später in diesem Jahr dürfte sich ein Friedensschluss zwischen den USA und dem Iran preissenkend bemerkbar machen. Allerdings ist derzeit nicht absehbar, wann sich die beiden Länder einigen werden.Hauseigentümer, die sich eine neue Gasheizung anschaffen, haben unabhängig vom Weltmarkt ein weiteres Problem. Denn der Gesetzgeber schreibt vor, dass diese Heizungsanlagen künftig einen sukzessiv steigenden Anteil an Biogas nutzen müssen. Die Kosten von Biogas aus heimischer Produktion lassen sich derzeit schwer vorhersagen. Noch sind Angebot und Nachfrage zu gering. 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